"Anziehungspunkt für Rentner": Autoexperte Dudenhöfer sieht ohne Veränderungen keine Zukunft für IAA Mobility

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Trotz Corona kamen in diesem Jahr 400.000 Besucher zur IAA
Trotz Corona kamen in diesem Jahr 400.000 Besucher zur IAA

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat zum Abschluss der Automesse IAA Mobility die Veranstaltung scharf kritisiert. Ohne ein völlig anderes Konzept "war das die letzte IAA", sagte er. Zulieferer hätten ihre Innovationen viel mehr Autobauern vor Ort zeigen wollen, und die Veranstaltungsflächen in der Münchener Innenstadt seien eher Anziehungspunkte für Rentner auf der Suche nach Abwechslung. Auch andere Branchenkenner hatten die Messe kritisiert.

Die Veranstalter werteten die Premiere in München hingegen als großen Erfolg. Die Aussteller seien im Großen und Ganzen sehr zufrieden, und trotz der Pandemie seien in nur sechs Tagen über 400.000 Besucher gekommen – "eine deutliche Abstimmung mit den Füßen", sagte die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller, zum Abschluss am Sonntag.

Befragungen zufolge fänden die meisten Aussteller und Besucher das neue Konzept gut, Autos und erstmals auch Fahrräder in der ganzen Stadt vorzuführen und nicht nur in Messehallen auszustellen. "Besonders positiv bewertet wurde die Mischung der Aussteller und die Möglichkeit, Neuheiten direkt testen zu können", teilten die Veranstalter mit. Fast 10.000 Menschen hätten Autos und Räder selbst ausprobiert. Das Angebot sei ausgebucht gewesen, sagte Müller.

Zwei Drittel der Besucher seien jünger als 40 Jahre. Es sei große Offenheit und Neugier für neue Antriebe und ganz praktische Fragen wie das Laden zu spüren gewesen, aber auch für Themen wie Digitalisierung oder autonomes Fahren, sagte die VDA-Präsidentin. An manchen Orten sei der Zugang wegen Überfüllung gebremst worden.

Auf der anderen Seite habe es aber auch "einige Nachfragen" gegeben, räumte Müller ein. "Die Frage, wie wir die Konferenz vernetzen und sichtbar machen können, nehmen wir auch nochmal mit." Per Streaming übertragene Gesprächsforen wurden mitunter nur von einem Dutzend Zuschauern verfolgt. In den Messehallen herrschte nach Einschätzung eines namhaften Unternehmens der Branche zeitweise "tote Hose". Müller sagte, vielleicht würden bei der nächsten IAA 2023 die Fahrrad- und E-Bike-Hersteller mit in die Hallen der Autobranche eingebunden: "Da mischen sich ja auch die Zulieferer, so dass man das vor Ort noch einmal ein bisschen besser machen kann." Mit allen Ausstellern würden vertiefte Feedback-Gespräche geführt. "Das Grundkonzept wurde aber nicht infrage gestellt."

Daimler-Chef Ola Källenius sagte: "Der Ansatz, die Messe in die Stadt hinein zu tragen, war absolut richtig." Die IAA in München sei "ein klares Signal für den Wandel der Branche: eine neue Messe, mit neuem Konzept, in einer neuen Stadt - und endlich auch wieder mit Gästen vor Ort".

Auch BMW zeigte sich zufrieden: "Wir ziehen ein positives Fazit – die IAA Mobility war eine ideale Plattform, um sich über nachhaltige Mobilität auszutauschen." Man habe viele gute Gespräche geführt. Nur Autobahnblockaden und andere "destruktive Aktionen sind schade, aus unserer Sicht wenig sinnstiftend und verzerren das gute Gesamtbild". Im Umfeld der Messe hatte es auch zahlreiche Proteste gegeben.

Mehrere große Autokonzerne wie Toyota, General Motors oder die Opel-Mutter Stellantis waren zudem bei der IAA dabei. Müller verwies auf die Corona-Beschränkungen und zeigte sich optimistisch, dass viele internationale Aussteller bei der nächsten IAA an Bord seien.

toh/dpa

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