Anzeige wegen Frankreichs Verzicht auf Alstom-Anteile

dpa-AFX

PARIS (dpa-AFX) - Eine Anti-Korruptions-Organisation macht dem französischen Staat Vorwürfe im Zusammenhang mit der Zugallianz zwischen Alstom und Siemens . Anticor stellte Anzeige gegen unbekannt wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder durch Fahrlässigkeit, wie die Organisation mitteilte. Die Organisation kritisiert, dass Frankreich vor dem Hintergrund der geplanten Fusion des französischen Konzerns mit der Siemens-Zugsparte auf eine Kaufoption für 20 Prozent der Anteile an Alstom verzichtet hatte.

Damit habe der Staat 350 Millionen Euro an Dividenden und Prämien verloren und könne auch nicht von einer wahrscheinlichen Wertsteigerung nach dem Zusammengehen mit Siemens profitieren. "Sicher ist, dass der Staat Geld verloren hat, und wir verstehen nicht wirklich warum", sagte Anticor-Präsident Jean-Christophe Picard am Mittwoch dem Sender Franceinfo. Zuvor hatte die Enthüllungszeitung "Le Canard Enchaîné" über die Anzeige berichtet.

Der französische Staat hatte bis vergangenen Oktober 20 Prozent an Alstom vom Mischkonzern Bouygues ausgeliehen. Dies war vor dem Hintergrund des 2014 angekündigten Verkaufs des Alstom-Energiegeschäfts an den US-Konzern GE vereinbart worden. Der Staat hätte die Möglichkeit gehabt, die Anteile an Alstom auf Dauer zu übernehmen und damit auch an dem neuen Bündnis beteiligt zu sein, das Siemens und Alstom im September angekündigt hatten. Diese Kaufoption nutzte er jedoch nicht. Die französische Regierung hatte argumentiert, dass der Rückzug des Staates eine Bedingung für das Zustandekommen der Zug-Ehe mit Siemens gewesen sei.