Anwohner fordern „Raser raus“: Braunsfelder fühlen sich von Behörde im Stich gelassen

Im Bereich der Eupener Straße wird viel zu schnell gefahren.

Der Mann in der silbernen Limousine kurbelt die Fensterscheibe herunter. „Mein Hund muss dringend Gassi gehen“, ruft er. Doch der Vierbeiner muss nun noch zuhause warten. Vor Herrchens Kühlerhaube ziehen etwa 50 Menschen auf einem provisorischen Zebrastreifen hintereinander immer wieder über die Fahrbahn und interessieren sich nicht für Hundegeschichten. Sie brüllen „Raser raus“ und tragen weiße Schilder mit Aufschrift wie „Mehr Sicherheit für unsere Kinder“.

Im Nu bildet sich ein Riesenstau

Es ist eine kleine Demonstration mit einem großen Effekt. Nachmittags um 16 Uhr bildet sich im Nu ein Riesenstau. Die Zahl der genervten Autofahrer auf der Eupener Straße zeigt, auf welches Problem die Bürgerinitiative Eschweiler-Eupener-Max-Wallraf-Straße und die teilnehmenden Anwohner mit ihrer Demo aufmerksam machen möchten: Die schmale Straße ist ebenso wie die parallel verlaufende Eschweiler Straße eine beliebte Rennstrecke für den Durchgangsverkehr. Schilder geben Tempo 30 vor – erfolglos. Sobald die Demo sich aufgelöst hat, brettern die Autos vorbei.

Bereits 2014 hat die Bezirksvertretung Lindenthal einstimmig beschlossen, dass die betroffenen Straßen verkehrsberuhigt werden sollen. Zebrastreifen sollen eingerichtet werden, um das Überqueren der stark befahrenen Straße zu erleichtern. An ihren Kreuzungen sollen Kreisverkehre gebaut werden Doch seit dem Beschluss der Politiker ist nichts passiert.

Verkehrszählungen sind nötig

Im Dezember 2015 hat die Bezirksvertretung bei der Stadtverwaltung nachgefragt, wann mit der Umsetzung ihres Beschlusses zu rechnen sei. Neun Monate später bekam das Stadtteilparlament eine Antwort: Um Zebrastreifen anzulegen, seien Verkehrszählungen nötig. Die seien in Auftrag gegeben. Die Planung für die Kreisverkehre würde 2017 beginnen.

Nun fragte die Bürgerinitiative schriftlich bei der neuen Verkehrsdezernentin Andrea Blome nach und bekam eine frustrierende Antwort: Für die Zebrastreifen seien Zählungen beauftragt, hieß es erneut. Mit den Planungen der Kreisverkehre würde 2018 begonnen. Auf erneute Nachfrage bestätigte das Amt diesen Stand der Planung.

Warum braucht es Jahre für die Verkehrszählungen?

Die Mitglieder der Initiative sind entrüstet: Warum man Jahre brauche, um überhaupt einmal zu zählen, sei ihnen ein Rätsel, sagt Henning Sonnenmann. „Der provisorische Zebrastreifen hier wegen der Baustelle war sofort eingerichtet. Wir haben Angst, dass die Sache im nächsten Jahr wieder verschoben wird.“

Auch Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker ärgert sich: „Transparenz, Kommunikation und Ehrlichkeit sind eigentlich die drei Säulen des richtigen Umgangs mit dem Bürgern“, sagt sie

Niemand halte sich an das Tempolimit

Denen reicht es jetzt. Das Gebiet mit den kleinen Straßen ist in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Das Neubaugebiet Park Linné hat etliche Menschen nach Braunsfeld gelockt. Viele Familien mit kleinen Kindern leben an den Straßen, die ihrer Ansicht nach gefährlich sind. „Hier hält sich niemand an das Tempolimit. Viele fahren auch schneller als 50“, schildert Anwohnerin Sandra Swaczyna.

„Ich kann meinen sechs- und auch meinen zehnjährigen Sohn hier nicht alleine auf die Straße lassen. Gestern wäre mein Älterer fast überfahren worden, wäre mein Mann nicht auf die Straße gesprungen.“ Anwohnerin Sabine Krasemann sorgt sich um ihre Mutter. „Sie ist 89 und kann mit ihrem Rollator die Straße kaum überqueren“, schildert sie. „Eigentlich ist für Lkw die Durchfahrt durch die Eupener Straße verboten, aber die fahren hier trotzdem dauernd durch.“ Einmal im Monat käme die Polizei und kontrolliere das. „Aber danach donnern sie hier wieder alle durch.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta