Anwalt: Russischer Memorial-Historiker soll neun Jahre ins Arbeitslager

Im Fall eines Mitarbeiters der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, der seit fast 30 Jahren das Schicksal von Stalin-Opfern erforscht, fordert die Staatsanwaltschaft neun Jahre Arbeitslager. Dies teilte der Anwalt des Historikers Juri Dmitrijew am Dienstag mit. Der 62-Jährige war Ende 2016 wegen des Vorwurfs der "Pädophilie" festgenommen worden. Erst im Januar 2018 wurde er freigelassen, der Prozess gegen ihn im nordwestrussischen Petrosawodsk lief weiter.

Nach Angaben seines Anwalts Viktor Anufrijew hatte Dmitrijew seine unterernährte Adoptivtochter nackt fotografiert, um über die Jahre ihre Wachstumsentwicklung zu dokumentieren. Daraus sei der Vorwurf konstruiert worden, er habe das Mädchen "zu pornografischen Zwecken ausgebeutet", was mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden kann.

Der Historiker hat unter anderem eine Liste mit den Namen von 40.000 Sowjetbürgern erstellt, die in Karelien unter dem Diktator Josef Stalin ermordet oder deportiert wurden. Menschenrechtsgruppen werfen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Verbrechen Stalins weitgehend unter den Teppich kehren zu wollen.