Kölner Autor Akhanli in Spanien unter Auflagen freigelassen

Dogan Akhanli im März 2017 in Köln

Nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes ist der türkischstämmige Kölner Autor Dogan Akhanli am Sonntag aus spanischem Gewahrsam frei gekommen. Der Schriftsteller, der auf Betreiben der Türkei vorübergehend festgenommen worden war, dürfe Madrid aber vorerst nicht verlassen, teilte sein Anwalt Ilias Uyar mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich verärgert über die Festnahme und sagte, Einrichtungen wie die Polizeibehörde Interpol dürften "nicht für so etwas missbraucht" werden.

"Der Kampf hat sich gelohnt", teilte der Anwalt Uyar auf seiner Facebook-Seite mit. "Dogan Akhanli kommt frei." Bei einer gerichtlichen Anhörung sei entschieden worden, dass der Schriftsteller Madrid vorerst nicht verlassen dürfe.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) brachte seine Freude über die Freilassung zum Ausdruck und erklärte, Ankara dürfe nicht erreichen, dass Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan auch "am anderen Ende Europas" in Haft geraten.

Akhanli war am Samstag wegen eines türkischen Haftbefehls an seinem Urlaubsort in Spanien festgenommen worden. Die Türkei hatte bei der internationalen Polizeibehörde Interpol einen "Dringlichkeitsvermerk" (Red Notice) gegen Akhanli hinterlegt.

Die spanische Justiz muss nun darüber entscheiden, ob Akhanli an die Türkei ausgeliefert werden soll. Die Bundesregierung will dies verhindern. "Ich bin sehr froh, dass Spanien ihn jetzt erstmal wieder freigelassen hat", sagte Merkel in einer RTL-Sendung. Sie stehe in der Angelegenheit mit der spanischen Regierung in Kontakt.

Nach der Festnahme Akhanlis hatte sich am Samstag das Auswärtige Amt eingeschaltet. Die deutsche Botschaft in Madrid bat die spanische Regierung, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern. Dies wurde auf Veranlassung von Gabriel vorgebracht. Der Außenminister erklärte nach Akhanlis Freilassung, er habe vollstes Vertrauen in die spanische Justiz.

Der Schriftsteller steht der Regierung in Ankara kritisch gegenüber und war 1991 nach Deutschland geflohen. Zuvor war er nach dem türkischen Militärputsch von 1980 jahrelang inhaftiert. 2001 hatte er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

Mit seinem Roman "Die Richter des Jüngsten Gerichts", der 1999 auf Türkisch erschien, brach Akhanli ein türkisches Tabu: Das Buch handelt von dem Massaker durch die Osmanen an den Armeniern im Jahr 1915. Mit der Veröffentlichung des Buchs hatte der Schriftsteller den Hass türkischer Nationalisten auf sich gezogen.

Bei einem Türkeibesuch im August 2010 war Akhanli bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. Im Prozess warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, als Mitglied einer linksextremen Gruppe 1989 an einem Überfall auf eine Wechselstube teilgenommen zu haben, bei dem ein Mann getötet wurde. Akhanli wurde später aber wieder freigelassen.

Deutsche Politiker hatten die Festnahme Akhanlis scharf kritisiert. Grünen-Chef Cem Özdemir forderte nach dem Zugriff der spanischen Behörden eine Neubewertung der polizeilichen Zusammenarbeit mit der Türkei. Die türkische Justiz arbeite offensichtlich "nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien", sagte Özdemir dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Auch SPD-Chef Martin Schulz hatte die Freilassung des Schriftstellers gefordert. "Das Verhalten von Präsident Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge", sagte der Kanzlerkandidat der "Bild am Sonntag".