Anwältin Nasrin Sotudeh bei Trauerfeier festgenommen

Bei der Beerdigung für eine 17-jährige Schülerin im Iran sind die iranische Rechtsanwältin Nasrin Sotudeh und weitere Aktivist:innen festgenommen worden. Vor ihrer Festnahme sei Sotudeh geschlagen worden, erklärte ihr Ehemann Resa Chandan gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete am Sonntagabend, dass die Anwältin Nasrin Sotoudeh wegen "Nichttragens des Schleiers" und "Störung der geistigen Sicherheit der Gesellschaft" festgenommen und der zuständigen Behörde übergeben worden sei. Das Tragen des Schleiers in der Öffentlichkeit ist für Frauen im Iran seit 1979 Pflicht.

Die 60-Jährige, die schon mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments geehrt wurde, saß in der Vergangenheit schon mehrfach in Haft.

2018 kam sie ins Gefängnis, weil sie eine Frau verteidigt hatte, die keinen Hijab getragen hatte. 2019 wurde sie zu 12 Jahren verurteilt, weil sie zu "Korruption und Ausschweife" ermutigt habe.

Die jüngste Festnahme erfolgte bei der Trauerfeier für Armita Garawand, einer 17-Jährigen, die von der Moralpolizei wegen des fehlenden Kopftuchs in Gewahrsam genommen und unter umstrittenen Umständen ins Koma gefallen war.

Der neuerliche Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam erinnert viele an den Tod von Mahsa Amini, die 2022 Massenproteste ausgelöst hatte.