Anwälte von Tennis-Star Djokovic üben harsche Kritik an australischen Behörden

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Tennis-Star Novak Djokovic (AFP/Marco BERTORELLO)

Im Tauziehen um die drohende Abschiebung von Tennis-Star Novak Djokovic aus Australien haben die Anwälte am Samstag heftige Kritik an den Behörden geübt. Demnach hielten Grenzbeamte den serbischen Tennisspieler acht Stunden lang weitgehend isoliert am Flughafen von Melbourne fest, bevor sie sein Visum annullierten und er in ein Hotel für Abschiebehäftlinge gebracht wurde. Nach ihren Angaben hatte Djokovic eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise bekommen, weil er im Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Ein erster positiver PCR-Test datiere vom 16. Dezember, versicherten Djokovics Anwälte in einem 32-seitigen Schriftsatz für die für Montag festgesetzte Gerichtsanhörung zur drohenden Abschiebung. Dies sei der Grund für die erteilte Ausnahme vom Corona-Impfnachweis bei der Einreise nach Australien.

Laut einem Facebook-Eintrag des Belgrader Tennisverbands nahm der 34-Jährige allerdings am 17. Dezember an einer Zeremonie zu Ehren junger serbischer Spieler im Novak Tennis Center teil. Auf Fotos trug niemand der rund 20 ausgezeichneten Jugendlichen und der Verbandsfunktionäre eine Schutzmaske - ebensowenig wie Djokovic selbst.

Der Weltranglistenerste, der seinen Impfstatus nicht öffentlich macht und sich wiederholt kritisch über Corona-Impfungen geäußert hatte, war am Mittwochabend in Melbourne gelandet, nachdem er nach eigenen Angaben eine medizinische Ausnahmegenehmigung von den Veranstaltern der Australian Open für eine Einreise erhalten hatte.

Die australischen Grenzbeamten erkannten dies jedoch nicht an. Vergeblich habe Djokovic nach dem langen Flug über Dubai um eine Ruhepause gebeten, um seine Anwälte am nächsten Morgen konsultieren zu können, hieß es in dem Schriftsatz für die Berufungsanhörung weiter. Zwar habe ein Beamter der Bitte zunächst entsprochen, doch dann hätten seine Vorgesetzten erfolgreich Druck auf Djokovic ausgeübt, damit er einer sofortigen Entscheidung über sein Visum zustimme.

Seit Donnerstagmorgen wird der Tennis-Star im "Park Hotel" festgehalten, in dem die Behörden Abschiebehäftlinge unterbringen. Laut seinen Anwälten hat er bislang vergeblich seine Verlegung aus der Einrichtung beantragt, um für die Australian Open trainieren zu können. Diese beginnen am 17. Januar.

Der australische Tennisverband, der die Ausnahmegenehmigung für Djokovics Teilnahme an den Australian Open erteilt hatte, wies unterdessen jede Schuld an der drohenden Abschiebung von sich. "Es wird viel mit dem Finger auf andere gezeigt, und es werden viele Schuldzuweisungen gemacht", sagte Verbandschef Craig Tiley in einem internen Video, das der Zeitung "Sunday Herald Sun" zugespielt wurde. "Aber ich kann Ihnen versichern, dass unser Team unglaubliche Arbeit geleistet hat."

Die Organisation habe sich entschieden, das Thema wegen Djokovics Klage nicht öffentlich anzusprechen, sagte Tiley. Sein Team habe jedoch "alles getan, was es tun konnte, gemäß den Anweisungen, die es erhalten hat".

Dem Verband wurde vorgeworfen, die Spieler über die Corona-Einreiseregeln in Australien in die Irre geführt zu haben. In einem von australischen Medien veröffentlichten Memo an die Spieler heißt es, eine kürzlich überstandene Corona-Infektion könnte eine vollständige Impfung überflüssig machen.

Nach Angaben der australischen Regierung gilt dies jedoch nur für australische Bürger. Der Gesundheitsminister habe den Verband darauf im November auch hingewiesen.

Die tschechische Tennisspielerin Renata Voracova, der ebenfalls das Visum entzogen worden war, hatte im Gegensatz zu Djokovic ihrer Ausreise zugestimmt, weil sie wegen ihrer Unterbringung im "Park Hotel" nicht trainieren könne. Vor ihrer am Samstag aus Regierungskreisen bestätigten Abreise schilderte die 38-Jährige tschechischen Medien ihr Leben in dem Hotel: "Sie bringen mir Essen und es gibt eine Wache im Korridor (...) Ich fühle mich ein bisschen wie im Gefängnis".

ans/lan

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