Antwort auf US-Strafzölle – So will die EU europäische Stahlkonzerne schützen

Die EU ergreift im Handelsstreit mit den USA neue Gegenmaßnahmen. Ein Zusatzzollsatz soll die heimische Stahlbranche schützen – ab sofort, aber erst einmal nur vorläufig.


Die EU tut es den USA gleich – und setzt ab dem heutigen Donnerstag Schutzmaßnahmen auf Stahlimporte in Kraft. Die EU-Kommission befürchtet, dass Stahl aus anderen Ländern, der bisher in die USA verkauft wurde, nun durch die neuen US-Zölle vermehrt in die EU verkauft wird. Die Folge: ein Preisanstieg auf Stahl. Und das würde Autobauer und Bauunternehmen zusätzlich belasten, weil sie auf die Importe angewiesen sind.

„Die US-Zölle auf Stahlerzeugnisse führen zu Handelsumlenkungen, die EU-Stahlproduzenten und Arbeitnehmer in dieser Branche schwer schädigen können“, sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström. Deshalb bliebe der EU nichts anderes übrig, als vorläufige Schutzmaßnahmen einzuführen.

Deshalb führt die EU also Zusatzzollsatz von 25 Prozent auf 23 Kategorien von Stahlprodukten ein, um europäische Hersteller vor schwerwiegenden Marktverzerrungen durch die neuen US-Zölle zu schützen. Zu den Produktionen gehören Bleche und Bänder sowie einige weiter verarbeitete Produkte wie Stäbe, Profile und Rohre.

Die neuen Zölle greifen allerdings erst, wenn außergewöhnlich viel Stahl in die EU verkauft wird. Das heißt, wenn die Importe höher sind als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Und danach sieht es aus: So weist auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl darauf hin, dass der Importdruck auf den EU-Stahlmarkt in den ersten fünf Monaten des Jahres massiv gestiegen sei. Hochgerechnet bis zum Jahresende kämen so 47,8 Millionen Tonnen Stahl in die EU – 18 Prozent mehr als im Vorjahr.


„Es ist gut, dass die EU in dieser schwierigen Lage eng zusammen steht und ein klares Zeichen setzt, ihre Industrie vor den Folgen des Protektionismus konsequent zu schützen“, sagt der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff.

Die EU hatte bereits im Juni Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Whiskey und Motorräder in Kraft gesetzt – ebenfalls als Reaktion auf die Einführung von US-Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte.

Die neuen Maßnahmen betreffen alle Länder, mit Ausnahme einiger Entwicklungsländer, die nur begrenzte Ausfuhren in die EU verzeichnen. Zudem werden die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), Norwegen, Island und Liechtenstein, von den Maßnahmen ausgenommen.

„Ich bin überzeugt, dass durch die Maßnahmen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Interessen der europäischen Stahlproduzenten und denen der Stahlnutzer, wie etwa der Automobilindustrie, gefunden werden kann“, so Malmström. Die Stahlimporte würden weiterhin überwacht, um „bis spätestens Anfang nächsten Jahres eine endgültige Entscheidung“ zu treffen.

In spätestens 200 Tagen läuft die neue Regelung wieder aus – wenn bis dahin keine dauerhaften Schutzmaßnahmen beschlossen werden.