Antwerpen hängt am Stahlhandel

Die Zahlen sind beeindruckend: 150.000 Menschen arbeiten im Hafen in Antwerpen, das Gelände umfasst 12.000 Hektar, hier laufen Eisenbahnschienen auf einer Strecke von 1000 Kilometern. Antwerpen ist ein riesiger Umschlagplatz für Güter, auch für Stahlprodukte, die aus Ländern der Europäischen Union in die Vereinigten Staaten verkauft werden. Der Zollstreit zwischen Brüssel und Washington ist da unter den Hafenarbeitern natürlich ein heiß diskutiertes Thema.

Wim Dillen leitet beim Hafenbetreiber die Abteilung für Wirtschaftsentwicklung. „Das ist vielleicht überraschend, aber wir haben in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr Stahl abgefertigt als im Vorjahreszeitraum", sagt Dillen. „Doch ich glaube, das hat damit zu tun, dass viele Unternehmen vorhergesehen haben, was kommen würde, und deshalb ihre Vorräte in den USA aufgefüllt haben. Sollte die Situation über längere Zeit so bleiben, würde sich das sehr negativ auswirken", so der Hafenmanager.

Dennis Verbeeck arbeitet für ein Unternehmen, das im Hafen von Antwerpen mit drei Container-Abfertigungshallen und einem Umschlagplatz für Stückgut vertreten ist. Auch Stahl in vielfältigen Formen und Größen wird hier verladen und dann nach Übersee verschifft.

„Hier sehen Sie unsere neue Halle, in der wir Spulen lagern, die für die Märkte in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko bestimmt sind. In dieser Abfertigungshalle schlagen wir pro Jahr über eine Millionen Tonnen um, die in diese Länder gehen“, sagt Verbeeck.

Das Beladen der riesigen Frachtschiffe dauert mehrere Tage. Verbeecks Unternehmen ist auf Transporte von Stahl und Metalle spezialisiert. Wie sich das Handelsverhältnis zwischen der Europäischen Union und den USA entwickelt, ist für den Logistiker und seine Kollegen von entscheidender Bedeutung.

Verbeeck: „Zwischen 150 und 400 Menschen, die unmittelbar mit dem Stahlhandel mit den USA zu tun haben, arbeiten hier Tag für Tag. All diese Hindernisse, wie wir sie hier nennen, würden diese Mitarbeiter betreffen. Es könnte sich auf diese Menschen und ihre Familien auswirken."

Elf Millionen Tonnen Stahl und Nichteisenmetalle werden im Hafen von Antwerpen, der sich selbst als Europas Drehkreuz für Stahl bezeichnet, jedes Jahr umgeschlagen. Nicht nur hier, sondern in der ganzen EU sind rund 20.000 Arbeitsplätze an den Stahlhandel mit den Vereinigten Staaten gekoppelt.