Antrag von Prinz Andrew auf Abweisung von Missbrauchsklage gescheitert

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Prinz Andrew (AFP/JOHN THYS)

Ein Zivilprozess gegen den britischen Prinzen Andrew wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs in den USA rückt näher: Der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. ist mit einem Antrag auf Abweisung der gegen ihn gerichteten Missbrauchsklage gescheitert. Der zuständige New Yorker Bundesrichter lehnte den Antrag in einer am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung ab und ebnete damit den Weg für einen Fortgang des Verfahrens.

Die Anwälte von Prinz Andrew hatten gefordert, die Zivilklage abzuweisen, weil die Klägerin Virginia Giuffre 2009 eine Vereinbarung mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geschlossen hatte. In dem bis vor Kurzem geheimen Text hatte Giuffre zugesagt, im Gegenzug für 500.000 Dollar (rund 440.000 Euro) weder den US-Multimillionär Epstein wegen Sexualvergehen zu verklagen noch "andere potenzielle Beschuldigte" in diesem Zusammenhang.

Prinz Andrews Anwälte argumentierten deswegen vergangene Woche bei einer Anhörung, Giuffre habe auf ihr Klagerecht gegen den Royal "verzichtet". Die Anwälte der heute 38-jährigen Klägerin erklärten dagegen, die Vereinbarung gelte nicht für den 61-Jährigen.

Bundesrichter Lewis Kaplan erklärte nun in seiner Entscheidung, der Text des Jahres 2009 "strotzt vor Formulierungsproblemen und Zweideutigkeiten". So könne nicht festgestellt werden, ob auch Prinz Andrew von der Vereinbarung habe profitieren sollen.

Ohnehin sei der Royal nicht Teil der Vereinbarung gewesen, erklärte Kaplan weiter. "Grundsätzlich können nur Personen Bestimmungen eines Vertrags durchsetzen, die Vertragsparteien sind - die Leute, die ihm zugestimmt haben."

Giuffre gibt an, 2001 im Alter von 17 Jahren von Prinz Andrew mehrfach sexuell missbraucht worden zu sein, unter anderem in Epsteins Luxusbleibe in New York. Epstein habe sie damals an den Royal "ausgeliehen". Giuffre fordert jetzt Schadenersatz in nicht genannter Höhe. Der Zivilprozess könnte im Herbst beginnen.

Prinz Andrew hat die von Giuffre gegen ihn erhobenen Vorwürfe wiederholt entschieden zurückgewiesen. Wegen der Vorwürfe und seiner früheren Kontakte zu Epstein gab er allerdings seine royalen Pflichten auf und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Der bereits 2008 wegen Sexualverbrechen verurteilte Epstein war im August 2019 nach einer erneuten Festnahme tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden worden. Nach Angaben der Behörden nahm er sich das Leben.

Epsteins langjährige Vertraute Ghislaine Maxwell - eine gute Bekannte von Prinz Andrew - wurde Ende Dezember in einem Gerichtsverfahren in New York von den Geschworenen wegen Sexhandels schuldig gesprochen. Laut Anklage hatte die Britin über Jahre systematisch Minderjährige für Epstein rekrutiert, die von diesem dann sexuell missbraucht wurden. Das Strafmaß gegen Maxwell wurde noch nicht verkündet, der 60-Jährigen droht eine jahrzehntelange Haftstrafe. Gegen Prinz Andrew wurde kein Strafverfahren eingeleitet.

fs/lan

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