Antisemitismusbeauftragter fordert nach Eklat um documenta-Kunstwerk Aufarbeitung

Nach dem Eklat um ein Kunstwerk auf der documenta hat der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, von den Verantwortlichen der Kasseler Kunstausstellung eine rückhaltlose Aufarbeitung gefordert. "Die Documenta hat in massiver Weise Vertrauen in Politik und Kunstszene verspielt", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. "Und das ist nicht plötzlich geschehen, sondern das Ausmaß ist mit den anhaltenden Antisemitismus-Vorwürfen seit Anfang des Jahres kontinuierlich angewachsen."

"Die Aufgabe muss nun sein, den entstandenen Vertrauensverlust wieder aufzuheben, und zwar zunächst dadurch, die Vorgänge rückhaltlos aufzuarbeiten", sagte Klein weiter. "Auch eine klärende, glaubwürdige Stellungnahme des kuratierenden Kollektivs Ruangrupa würde dazu beitragen."

Darüber hinaus stellten sich grundsätzliche Fragen des Umgangs mit öffentlichen Geldern für die Kulturförderung, sagte Klein. "Ich begrüße es, dass diese Frage jetzt offenbar im Kulturausschuss des Bundestages diskutiert werden soll."

Ein bei der documenta ausgestelltes Großplakat des indonesischen Kollektivs Taring Padi hatte für Empörung gesorgt, weil dort unter anderem ein Mann mit Schweinsnase, einem Halstuch mit Davidstern und einem Helm mit der Aufschrift "Mossad" zu sehen war. Zudem ist dort ein Mann mit Schläfenlocken abgebildet, dessen Hut offenbar mit einer SS-Rune bestückt ist.

Nachdem die documenta am Montag entschied, das Werk abzudecken, wurde am Dienstag beschlossen, es zu entfernen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) nannte den Schritt in der Folge "überfällig" und forderte wie nun Klein, es müsse "aufgeklärt werden, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass dieses Wandbild mit antisemitischen Bildelementen dort installiert wurde".

fs/noe

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