Antisemitismus an Schulen: Zentralrat der Muslime will Imame in Klassen schicken

Als Reaktion auf die Berichte über antisemitische Vorfälle an Schulen will der Zentralrat der Muslime Imame in Schulklassen schicken

Als Reaktion auf die Berichte über antisemitische Vorfälle an Schulen will der Zentralrat der Muslime Imame in Schulklassen schicken. "Wir stellen zunächst konkret zehn Imame bereit, die vorzugsweise mit Rabbinern in die Klassen gehen", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Geistlichen sollten "für Dialog, Aufklärung und gegenseitige Achtung" werben.

"Ich würde mich freuen, wenn die jüdischen Gemeinden mitmachen, dann könnten wir schon heute in Berlin beginnen und in Folge dies bundesweit ausbauen", sagte Mazyek. Aktueller Anlass für die Debatte um Antisemitismus auf deutschen Schulhöfen ist der Fall an einer Berliner Grundschule, wo ein jüdisches Mädchen bedroht worden sein soll.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußerte im "Tagesspiegel" die Hoffnung, dass der Vorfall ein Einzelfall sei und bleibe. Dem widersprach der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der im ZDF den Eindruck äußerte, dass solche Vorfälle vor allem im großstädtischen Milieu zunähmen. Berlin nehme dabei offensichtlich "leider eine führende Rolle" ein.

"Wir haben grundsätzlich in der Gesellschaft eine Zunahme von rassistischen und antisemitischen Fällen insgesamt, das betrifft auch die Schulen", sagte die Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen, Saraya Gomis, AFP. Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) registrierte für das Jahr 2017 an Schulen in der Hauptstadt 18 antisemitische Vorfälle

Für das Vorjahr zählte RIAS sieben Vorfälle. RIAS-Projektleiter Benjamin Steinitz geht jedoch nicht davon aus, dass die Statistiken vollständig sind. "Mein Eindruck ist, dass wir es mit einer großen Dunkelziffer zu tun haben", sagte er AFP.

Von Teilen der Politik wird die Zunahme antisemitischer Vorfälle auch dem Zuzug von muslimischen Flüchtlingen aus dem arabischen Raum zugeschrieben. "Es ist oftmals tief sitzender Hass, der vom Elternhaus vermittelt wird", sagte der SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, der "Welt".

Das Problem sei längst nicht nur auf Berlin beschränkt, betonte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. Er kenne zahlreiche Fälle aus anderen Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet, Frankfurt am Main, aber auch etwa Stuttgart. An jeder Schule müsse klar sein, an wen sich Betroffene wenden können, sagte der Lehrerverbandspräsident AFP. Viele Schüler würden sich derzeit gar nicht erst trauen, derartige Vorfälle zu melden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mehr Unterstützung für Lehrer im Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Die GEW nehme antisemitische Äußerungen und Aktivitäten "mit großer Besorgnis wahr", sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe AFP. Lehrkräfte bräuchten aber eine bessere Aus- und Weiterbildung in Sachen interkultureller Kompetenz.

Außerdem seien an den Schulen mehr Sozialpädagogen erforderlich, "um auf Konflikte angemessen reagieren zu können", fügte Tepe hinzu. "Zudem muss die Präventionsarbeit gestärkt werden. Dafür benötigen die Bildungseinrichtungen mehr Zeit und mehr Geld."

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sieht hier die Länder in der Pflicht. "Die aktuellen Vorfälle an Berliner Schulen zeigen einmal mehr, wie nötig eine wirksame Antidiskriminierungspolitik im Bildungsbereich ist", sagte Lüders AFP. "Schule ist Ländersache, und die Länder müssen ihrer Verantwortung gerecht werden."