Der Anti-Tesla


Der Countdown für den Massenmarkt bei Elektroautos läuft. Nach GM und Tesla hat Japans Hersteller Nissan am Mittwoch eine große Lichtshow veranstaltet. Auf projizierten Straßen und Parkplätzen rollte die zweite Generation von Nissans Elektroauto Leaf über die Bühne und parkte selbstständig ein. 

Schnittiger sieht er aus als das erste Modell, das das erste in Großserie verkaufte Elektroauto der Welt war. Der erste Leaf wurde in Japan von Testern teilweise als hässlicher Frosch bezeichnet. Dennoch hat Nissan mehr als 300.000 Exemplare seit 2010 verkauft – weniger als damals erhofft, aber mehr als jeder andere Hersteller. Die neue Version soll nun den Durchbruch bringen, sagte Nissan-Chef Hitoshi Saikawa. „Während der jetzige Leaf ein Pionier war, hat der neue Leaf das Potenzial, zum Kern des Unternehmens zu werden.“


Anders als Tesla greift Nissan dabei im Massenmarkt an. Die Batterie des Einstiegsmodells ist mit 40 Kilowattstunden (kWh) zwar kleiner als die der Rivalen Chevy Bolt von GM und Model 3 von Tesla. Knapp 400 Kilometer Reichweite soll sie nach japanischem Standard liefern, etwa doppelt so viel wie der jetzige Leaf, aber weniger als die Rivalen. In Europa wäre der Wert etwas niedriger. 

Ein größeres Modell mit 60-kWh-Akku werde 2018 nachgeschoben, sagte Firmenchef Saikawa. Die Reichweite werde damit auf mehr als 480 Kilometer ansteigen, sagte ein hochrangiger Nissan-Manager. Aber dafür kommt der Leaf zum Kampfpreis auf den Markt: Schon ab 3,2 Millionen Yen (25.000 Euro) aufwärts beginnt der Einstieg in die Elektroautowelt in Japan, wo der Leaf am 2. Oktober debütiert. Der Rest der Welt wird später beliefert. 

Nun muss sich zeigen, ob sich Nissans Strategie auszahlt, mit kleinerer Batterie die Rivalen preislich zu unterbieten und nicht mit dem teureren Modell zu starten. Das Marketing setzt weniger auf den Elektromotor, der mit 150 PS im Stadtverkehr ein starker Sprinter sein dürfte. Stattdessen wird Nissans Konzept der „intelligenten Mobilität“ betont.


Ein Aspekt ist der Fahrassistent Pro Pilot, der das Auto auf der Autobahn selbstständig in einer Spur fahren kann. Dazu kommen ein verbesserter Einparkautomat und vor allem das ePedal, dass „wirklich Fahrspaß liefert“, so ein Autotester. Die neue Idee ist, dass der Fahrer mit einem Pedal beschleunigen und bremsen kann. 

Beim Hybridauto Nissan Note ePower kam diese Technik erstmals zum Einsatz. Beschleunigen funktioniert normal. Aber sobald der Fahrer den Fuß vom Pedal nimmt, bremsen die Motorbremse und vor allem die regenerative Bremsfunktion das Auto stark bis zum Stillstand ab. Das Bremspedal ist nur noch für Notbremsungen da. Das sorgt gefühlt für Dynamik. Ein Nebeneffekt: Es wird mehr Bremsenergie zurückgewonnen und so die Reichweite verlängert.

Saikawa glaubt, dass der Fokus auf den Massenmarkt und der Einstieg mit der kleinen Batterie die richtige Strategie ist. Alle würden nur von Akku-Kapazität und Reichweite reden. „Aber die werden im Wettbewerb nicht der ausschlaggebende Faktor sein“, so der Nissan-Chef. Es ginge darum, dass das Gesamtpaket attraktiv sein müsse.