Anti-Sarrazin aus Spandau: Raed Saleh plädiert mit seinem Buch für eine neue Leitkultur

Umgeben von preußischen Größen aus Sandstein: Raed Saleh im Proviantmagazin der Spandauer Zitadelle

Berlin. Bei einem Sommerfest trifft Raed Saleh auf Thilo Sarrazin. Der SPD-Fraktionschef mit palästinensischen Wurzeln begrüßt den früheren Finanzsenator jovial. Man duzt sich unter SPD-Genossen. Als der 40-jährige Saleh dem Bestsellerautor Sarrazin seinen palästinensischen Schwiegervater vorstellt, einen würdigen Herrn mit Schlips und schütterem Haar, reagiert Sarrazin kurz irritiert. Die Realität der Einwanderungsgesellschaft hat den Mann eingeholt, der vor acht Jahren mit dem Buch "Deutschland schafft sich ab" einen Abgesang verfasste auf jenes Land, für das Saleh, der Muslim, der Einwanderer, der Aufsteiger, exemplarisch steht.

Jetzt hat auch Saleh ein Buch geschrieben: "Ich deutsch". Sein Tenor ist anti-Sarrazin: Zuwanderer sind willkommen. Die meisten arbeiten hart, wollen für ihre Familien ein besseres Leben aufbauen, so wie es sein Vater anstrebte, als er Anfang der 80er-Jahre nach Berlin kam und bald die Familie nachholte. Aber, und hier steht Saleh Sarrazin näher als naiven Multikulti-Fans: Zuwanderer müssen sich, wie alle anderen auch, an die Regeln halten. Toleranz und Rechtsstaatlichkeit sind nicht verhandelbar.

Kämpfer gegen rechtspopulistisches Gedankengut

Die Person Sarrazin spielt eine wichtige Rolle für den Aufstieg des Einwandererkindes aus den Sozialwohnungsblocks der Heerstraße-Nord in die höchsten Sphären der Berliner Politik. Er war gerade ein paar Jahre im Abgeordnetenhaus, als er darauf drängte, den damaligen Bundesbank-Vorstand Sarrazin wegen seiner Thesen zu "...

Lesen Sie hier weiter!