Anti-Merkel-Kampagne: AfD setzt auf Agentur, die selbst Donald Trump zu heftig war

Die AfD schießt sich im Wahlkampf-Finish auf die Bundeskanzlerin ein. (Bild: dpa)

In der heißen Phase vor der Bundestagswahl dreht die Alternative für Deutschland noch mal so richtig auf: Eine neue Webseite bezeichnet Angela Merkel als Eidbrecherin. Hinter der Kampagne steckt eine umstrittene Agentur aus dem US-Bundesstaat Texas, die schon für mehrere Republikaner in den USA Werbung machte.

Die Truppe von Harris Media war erst ein paar Tage für Donald Trump aktiv, da zog der Republikaner bereits die Reißleine. Nach nur einer Woche trennte sich im Juni 2016 der damalige Bewerber um die US-Präsidentschaft wieder von der Werbeagentur, die ihm eigentlich zum Wahlsieg verhelfen sollte. Laut „stern.de“ soll Trump der Ruf nicht gefallen haben, der Agenturgründer Vincent Harris vorauseilt. Die Wahl hat Trump am Ende trotzdem gewonnen.

Nun hat Harris einen neuen politischen Partner an Land gezogen, und zwar nicht in den USA, sondern in Deutschland: die AfD. Vor einigen Tagen ging die Webseite merkeldieeidbrecherin.com online. Im Impressum kann man nachlesen, dass die Agentur aus Texas hinter der neuen Kampagne der Rechtspopulisten steckt. Mit einer Kanzlerin, die als Verbrecherin dargestellt wird, zieht die AfD also in die finale Phase des Wahlkampfes.

Dass Wahlen auch im Netz mitentschieden werden, bewies schon die vergangene US-Wahl. Donald Trumps Präsenz auf Twitter und seine Fake-News-Skandale kamen bei vielen Wählern, trotz viel Kritik der Gegenseite, sehr gut an. Fährt die AfD nun eine ähnliche Strategie und setzt auf noch mehr Provokation im Netz?

Die aktuelle Kampagne zumindest geht wenig zimperlich mit Angela Merkel ins Gericht. Neben einem in schwarz-weiß gehaltenen Porträt von Angela Merkel findet sich die rot eingekreiste Zahl 98. Daneben steht der Satz: „Menschen, die durch Merkels Versagen Opfer von Terroristen wurden.“

Daneben ist noch eine weitere Zahl zu finden, ein Geldbetrag: 1.500 Euro. Dabei handelt es sich laut Webseite um die Kosten, die monatlich für jeden Einwanderer fällig sind. In einer Chronologie listet die Seite zusätzlich Angela Merkels „Versagen“ auf mehreren Gebieten auf – vom Euro-Rettungsschirm bis zur Energiewende.

Harris Media war in den USA bereits für republikanische Schwergewichte wie Ted Cruz und Sarah Palin sowie für den libertären Rand Paul tätig. Im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf hatte Vincent Harris schon einmal mit Deutschland zu tun. Aus seiner Schmiede stammt ein Video mit dem Titel „Welcome to the Islamic Republic of Germany“ („Willkommen in der islamischen Republik Deutschland“). In dem Clip wird davor gewarnt, dass muslimische Flüchtlinge den Kölner Dom in eine Moschee umgestalten und auf dem Oktoberfest in München den Konsum von Schweinefleisch verbieten wollen. Produziert wurde das Video im Auftrag der konservativen Lobbyorganisation „Secure America Now“.

Der Kölner Dom steht noch immer und auch auf dem kommenden Oktoberfest wird Schweinshaxe serviert werden. Deutschland hat sich aber dennoch gewandelt: Im Wahlkampf mischt jetzt eine Agentur aus dem fernen Texas mit.