Anti-Doping-Experte Sörgel kritisiert: "IOC und WADA agieren wie VW"

Anti-Doping-Experte Sörgel kritisiert: "IOC und WADA agieren wie VW"

Der Nürnberger Pharmakologe und Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel geht wenige Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang hart mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ins Gericht. "Die offiziellen Dopingbekämpfer Wada und das IOC agieren für mich wie der VW-Konzern im Diesel-Skandal", sagte Sörgel der Bild am Sonntag: "Es wird erst etwas zugegeben, wenn es schon an die Öffentlichkeit gelangt ist und ich es nicht mehr verheimlichen kann."
Der jüngste Skandal um die nicht sicheren Urinflaschen der Schweizer Dopingkontrollfirma Behringer überrascht Sörgel ganz und gar nicht. "Dass die Flaschen nicht sicher sind, ist vorläufig der GAU dieser Winterolympiade, weitere nicht ausgeschlossen", sagte er der BamS. Bereits 2016 habe Behringer diese Flaschen "schon sehr unter Verschluss gehalten. Und schon damals sagte mir ein Kriminologe: Er glaubt nicht, dass die fälschungssicher sind."
Allerdings, so Sörgel, könne das IOC die Verantwortung "nicht der Firma und der WADA zuschieben. Würde eine Weltfirma eine wichtige neue Sicherheitstechnik in ihre Gebäude einbauen lassen, ohne sie selbst vorher gründlich geprüft zu haben?" Und außerdem: "Wer überprüft eigentlich die WADA? Das IOC offensichtlich nicht, obwohl man ja mit Craig Reedie einen wichtigen IOC-Amtsträger bei der Wahl als Chef installiert hat."
Auch IOC-Präsident Thomas Bach nimmt Sörgel nur bedingt in Schutz. Bach habe einen "zweifellos schwierigen Job", aber "IOC-Präsident wird man nicht, wenn man nicht Strippenzieher eines großen Netzwerks ist". Bach könne "nicht besser sein als das System, das er mit aufgebaut hat und das er vertritt. Auch seine Amtszeit wird nicht von großen Verbesserungen von Ethik und Anstand im Olympiasport gekennzeichnet sein."
Im Fall Russland wäre laut Sörgel im Hinblick auf Olympia "von Anfang an nur ein Generalausschluss die richtige Antwort gewesen. Aber diese harte Strafe wollten Bach und das IOC eben gerade nicht. Die Russen sind einfach zu gut vernetzt und haben in den internationalen Verbänden eine zu starke Lobby. Deshalb gab es jetzt diese Trickserei mit lauter Einzelentscheidungen."
Nun wolle das IOC "über nicht auszusprechende Einladungen reparieren, was man vorher falsch gemacht hat", sagte Sörgel: "Auch das übliche Zeitspielen des IOC ging wie schon in Rio kräftig schief. Die Frage ist doch, ist das alles Fehleinschätzung oder Kalkül?"
Das IOC hatte am Samstag angekündigt, nach der Aufhebung der lebenslangen Dopingsperren gegen 28 russische Wintersportler durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS eine mögliche Einladung für 13 dieser Athleten nach Pyeongchang zu prüfen. Zwei weitere dieser 28 Personen könnten eine Einladung als Trainer erhalten. Die übrigen 13 Athleten sind nicht mehr aktiv und kommen damit für einen Start in Pyeongchang ohnehin nicht in Frage.