Anti-Café: In diesem Berliner Café bezahlt man nach Zeit

Louna Sbou und Nina Martin

Zeit ist hier tatsächlich eine Art Währung. Die Ankunftszeit der Gäste wird diskret auf einem kleinen Zettel notiert, und wenn man geht, zahlt man für die Zeit, die man im "be'kech" verbracht hat. Eine Minute in diesem Weddinger Café, das keines sein will, kostet fünf Cent, eine Stunde drei Euro und wer den ganzen Tag bleibt, bezahlt 15 Euro. Gratis dazu gibt es: Kaffee, Wasser, Frühstück, mittags sogar ein warmes Gericht und Wlan.

Die Idee, ein solches "Anti-Café" in Berlin zu eröffnen, hatten die Chefinnen Nina Martin (28) und Louna Sbou (30) vor ungefähr einem Jahr. Seit dem vergangenen Montag ist das be'kech nun offen. Die Designerin und die Kulturmanagerin staunen etwas über das enorme Interesse an dem Konzept, das sie aus dem Ausland kennen. Fast jeden Tag hatten sie Presse da.

Obwohl die Exerzierstraße eher keine Laufkundschaft anzieht, ist das Café auch an den ersten Tagen schon sehr gut besucht. "Als ich in Finnland gelebt habe, kam ich mit dieser Idee in Kontakt", sagt Martin. "Mir gefällt der Gedanke sehr gut. Gerade, wenn man den ganzen Tag in einem Café arbeitet, möchte man nicht ständig etwas bestellen, fühlt sich aber manchmal dazu gedrängt."

Anti-Cafés stellen sich gegen diesen Konsum-Druck. Sie wollen Orte sein, an die man kommt, um zu arbeiten, aber auch, um sich auszutauschen, kennenzulernen, eine gute Zeit zu haben. Das Konzept entstand 2011 in Moskau, von dort expandierte die Kette mit dem Namen "Ziferblat" nach St. Petersburg, in die Ukraine und sogar nach ...

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