Anti-Batterie aus der Schweiz: Energy Vault-Aktie wird immer interessanter

Energy Vault EVx
Energy Vault EVx

Bei der Energie- und Mobilitätswende gibt es keinen Weg zurück. Nachhaltigere Lösungen zur Erzeugung und Speicherung von Energie werden dringend gesucht. Weltweit fließen viele Milliarden in die Forschung und in Projekte. Einen wichtigen Beitrag dazu möchte das schweizerisch-amerikanische Unternehmen Energy Vault (WKN: A3DEVQ) leisten. Von vielen belächelt, gewinnt die Idee nun an Kraft. Drei Gründe sprechen jetzt für die Aktie.

Grund 1: Die Rohstoffkrise

Zwar gibt es keinen direkten Wettbewerber von Energy Vault, aber das bedeutet nicht, dass das Unternehmen wie ein Monopolist agieren kann. Es gibt Dutzende Möglichkeiten, Energie zu speichern. Wo die geologischen Bedingungen günstig sind, ist es sicherlich sinnvoller, ein bewährtes Pumpspeicherkraftwerk zu bauen, als gigantische Stahl-Ungetüme hochzuziehen.

Anderswo zählen bisher Lithium-Energiespeicher zur ersten Wahl. Daran muss sich Energy Vault messen lassen. Die Behauptung, dass die noch kaum erprobte Technologie über den Lebenszyklus eines Energiespeicherprojekts hinweg heute 40 % weniger Kosten verursacht, ist schön und gut. Doch die Batteriekosten sind bisher im Rekordtempo nach unten gegangen, sodass die Rechnung theoretisch schon in wenigen Tagen anders aussehen könnte.

Die Realität spielt Energy Vault allerdings in die Hände: Während die eigenen Ingenieure Wege gefunden haben, die nächste Produktgeneration wesentlich kosteneffizienter zu gestalten, explodieren derzeit die Lithiumpreise. Besserung ist kaum in Sicht, sodass der potenzielle Kostenvorteil wächst.

Zwar verbraucht Energy Vault für seine Anlagen auch Unmengen an natürlichen Rohstoffen. Allerdings sind diese in der Regel ortsnah im Überfluss vorhanden. Für die Herstellung der Blöcke sollen auch industrielle Abfallstoffe verwendet werden.

Grund 2: Die Physik

Im Netz stößt man auf diverse Diskussionen zu der von Energy Vault vorgeschlagenen Lösung. Vor allem das ursprüngliche Demonstrationsprojekt in der Schweiz wird dabei in der Luft zerrissen: zu instabil, zu hohe Wartungskosten, zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag.

Mit ersten Rechenbeispielen befeuern Skeptiker die Diskussion weiter: Würde man eine Tonne Gewicht 100 Meter hochhieven, dann speichert man damit gerade einmal eine Viertel Kilowattstunde. Ein Wasserkocher verbraucht diese Menge in acht Minuten. Für viele hat sich die Diskussion damit erledigt. Das könne nichts werden.

Allerdings: Die Blöcke von Energy Vault sollen eher 35 Tonnen wiegen und 200 Meter hochgezogen werden. Und wenn diese Strecke in einer Minute zurückgelegt wird, dann kann der Block in dieser Zeit gut 1 Megawatt Leistung aufnehmen. Eine typische Windkraftanlage liefert unter Volllast 3 Megawatt. Schon mit 180 Blöcken kann folglich eine Stunde komplett gespeichert werden. Das sind 6 Reihen, 6 Zeilen und 5 Ebenen.

Um in den Bereich von Gigawattstunden vorzudringen, können in einem System von Energy Vault Tausende Blöcke eingesetzt werden. Das hört sich im ersten Moment gewaltig an, relativiert sich aber in der dritten Dimension.

Und wo wir gerade bei der Physik sind: Energy Vault behauptet eine Roundtrip-Effizienz von bis zu 85 % und bewegt sich damit fast im Bereich von frischen Lithiumbatterien. Dieser Faktor ist meines Erachtens hauptverantwortlich dafür, dass die etwas weniger effizienten Flussbatterien sich bisher nicht durchsetzen, trotz ihre ansonsten großen Vorteile.

Energy Vault kann hier also einen starken Pluspunkt in die Waagschale werfen, zumal die Blöcke ihre Hubenergie dauerhaft verlustfrei speichern und über Jahrzehnte hochgezogen und heruntergelassen werden können.

Grund 3: Die Kursentwicklung

Zu guter Letzt kann man am Kursverlauf ablesen, dass sich bisher im Ergebnis noch nicht viel getan hat. Der typische SPAC-Preis von 10 US-Dollar wird aktuell nur leicht übertroffen. Dazu muss man wissen, dass der Deal im September 2021 zu einem Zeitpunkt verkündet wurde, als schon viel Luft aus dem temporär stark überhitzten SPAC-Markt entwichen war.

Gleichzeitig werden die Bewertungskennzahlen im Vorfeld der Fusion etwas tiefer angesetzt als bei bereits börsennotierten Vergleichsunternehmen, um Investoren zu überzeugen. Die ausgehandelte Bewertung verspricht dann gern eine Rendite von über 30 % p. a., soweit die optimistischen Wachstumsziele erreicht werden.

Bei Energy Vault soll sogar noch erheblich mehr drin sein, wenn es nach der damaligen Investorenpräsentation geht. Hier ist Vorsicht angesagt, wie zahlreiche Negativbeispiele belegen. Dennoch ist festzuhalten, dass mittlerweile ein Dreivierteljahr vergangen ist seit September, sodass der innere Wert des Unternehmens theoretisch um 10 bis 20 % zugelegt haben sollte.

Wenn man bedenkt, dass zwischenzeitlich drei Krisen – Lithium, Klima und Ukraine – die Investmentthese erheblich gestärkt haben und die Vertriebsanstrengungen einige beachtliche Erfolge zeigen, verwundert es fast, dass die Aktie noch praktisch zum gleichen Preis erhältlich ist wie vor dem Abschluss der Fusion.

Der Artikel Anti-Batterie aus der Schweiz: Energy Vault-Aktie wird immer interessanter ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2022

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