Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu im Alter von 90 Jahren gestorben

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Südafrikas Stimme der Versöhnung ist verstummt: Der Friedensnobelpreisträger und Anti-Apartheid-Kämpfer Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Tutus Tod sei "ein weiteres Kapitel der Trauer im Abschied unserer Nation von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben", erklärte Staatspräsident Cyril Ramaphosa am Sonntag. Der emeritierte Erzbischof galt als moralischer Kompass und sprach immer wieder Missstände in seiner Heimat an - auch lange nach dem Ende der Apartheid. Weltweit bekundeten Politiker ihre Trauer.

Er drücke "im Namen aller Südafrikaner seine tiefe Trauer" aus, erklärte Ramaphosa. Tutu sei "ein Mann von außergewöhnlicher Intelligenz, integer und unbesiegbar gegen die Kräfte der Apartheid" gewesen und habe sich "für die Unterdrückten auf der ganzen Welt" eingesetzt.

"The Arch", wie er von den Südafrikanern liebevoll in Anspielung auf sein Amt und seine Rolle als Versöhner genannt wurde, wurde auch im hohen Alter nicht müde, sich mit der Führung seines Landes anzulegen und Korruption und Missstände anzuprangern. Er legte sich auch mit seiner anglikanischen Kirche an, als er deren Umgang mit Homophobie kritisierte. Zuletzt trat der als heiter und energetisch bekannte Friedensnobelpreisträger mit dem gewinnenden Lächeln jedoch nur noch selten in der Öffentlichkeit auf und wirkte vom Alter gezeichnet.

Im Mai zeigte er sich seinen Landsleuten, als er gemeinsam mit seiner Frau Leah die Covid-Impfung erhielt. Im Rollstuhl sitzend winkte er in die Kameras - ein Bild, das nur schwer mit dem lebhaften Mann zu vereinbaren war, der einst die Welt mit seiner scharfen Kritik an Südafrikas Apartheid-Regime in seinen Bann zog. Zuletzt war er bei den Feierlichkeiten zu seinem 90. Geburtstag in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen.

Vor seiner ehemaligen Kirchengemeinde in Kapstadt sowie seinem Wohnhaus versammelten sich am Sonntag Trauernde und legten Blumen nieder. "Es ist sehr, sehr traurig, dass er gestorben ist. Er war ein so guter Mensch", sagte die pensionierte Buchhalterin Diane Heard.

International wurde die Nachricht vom Tod des Erzbischofs mit großer Trauer aufgenommen: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson zeigte sich "zutiefst betrübt". "Er war eine entscheidende Figur im Kampf gegen die Apartheid und im Kampf für die Schaffung eines neuen Südafrikas - und man wird sich an ihn wegen seiner geistlichen Führung und seines unbändigen guten Humors erinnern", schrieb Johnson auf Twitter. Tutus "Kampf für das Ende der Apartheid und die südafrikanische Versöhnung wird in unserer Erinnerung bleiben", erklärte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Tutu, am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp nahe Johannesburg geboren, wurde im Alter von 30 Jahren zum anglikanischen Priester geweiht, nachdem er zunächst als Lehrer gearbeitet und unter anderem am Londoner King's College Theologie studiert hatte. 1984 wude Tutu der Friedensnobelpreis für seine Opposition gegen das Apartheid-Regime in Südafrika verliehen. Im selben Jahr wurde er der erste schwarze Bischof von Johannesburg und forderte ein Embargo gegen die Regierung der weißen Minderheit. Während die politischen Vorkämpfer um Nelson Mandela im Gefängnis saßen, setzte sich Tutu für Gerechtigkeit ein.

Einen seiner wichtigsten Aufträge erhielt Tutu nach dem Ende der Apartheid: Ab 1996 führte er die Wahrheits- und Versöhnungskommission an, die öffentliche Anhörungen zu den Gräueltaten während der Apartheid abhielt. Der Bischof prägte den Ausdruck "Regenbogennation" für Südafrika, als Mandela 1994 der erste schwarze Präsident des Landes wurde.

Seinem eigenen Ende sah der Geistliche offenbar gelassen entgegen: "Ich habe mich auf meinen Tod vorbereitet und deutlich gemacht, dass ich nicht um jeden Preis am Leben erhalten werden möchte", sagte er 2016 in einem Interview mit der "Washington Post". "Ich hoffe, dass ich mit Mitgefühl behandelt werde und nach meiner eigenen Wahl in die nächste Phase der Lebensreise weiterziehen kann."

mkü/lan

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