Der Großaktionär der Deutschen Bank hat seinen Anteil auf 8,8 Prozent reduziert. Der Grund dürfte die Finanzierungsstruktur sein.


Seit dem vergangenen Jahr war der chinesische Mischkonzern HNA mit einem Anteil von 9,9 Prozent der unangefochtene Großaktionär der Deutschen Bank. Die Chinesen kratzten knapp an der Schwelle, bei der die Aufsichtsbehörden Bankaktionäre genauer unter die Lupe nehmen.

Nun ist die Beteiligung auf 8,8 Prozent gesunken, wie aus einer Veröffentlichung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Danach hat HNA die Beteiligung an der Deutschen Bank, die über den österreichischen Vermögensverwalter C-Quadrat verwaltet wird, umstrukturiert – und im Zuge dieser Veränderungen einen Teil der Aktien verkauft.

HNA hat seine Beteiligung an der Deutschen Bank seit jeher stark über Schulden finanziert und sich zugleich mit Derivate-Deals gegen allzu große Kursverluste der Aktie abgesichert. Diese Absicherungsgeschäfte, die über die Schweizer Großbank UBS liefen, hatten unterschiedliche Laufzeiten.



In den vergangenen Tagen hatte HNA-Vertreter C-Quadrat weitere Aktien über eine Derivatestruktur abgesichert. Diese Struktur bedeutet: Wenn der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie unter die Marke von 11,45 Euro sinkt, müsste die UBS entstehende Verluste ausgleichen. Dies gilt für knapp 24 Millionen Aktien. Im Gegenzug müsste C-Quadrat der UBS Kursgewinne auszahlen, die über 16,53 Euro hinausgehen. Eine solche Finanzierungsstruktur wird Collar genannt. Sie kommt bei kreditfinanzierten Aktienkäufen immer wieder vor. Im Zuge dieses Absicherungsgeschäfts hat die Bank einige ihrer Aktien verkauft, vermutlich um die anfallenden Gebühren der Transaktion zu begleichen.

Ein Einstieg in den Ausstieg des Engagements der Chinesen weist ein deutscher Sprecher von HNA zurück: Er erklärte, der niedrigere Anteil stünde „im Zusammenhang mit der langfristigen Anpassung der Finanzierungsstruktur der Beteiligung“. Dabei soll es vorerst bleiben. „Eine weitere Reduzierung der Beteiligung ist nicht vorgesehen. HNA bleibt ein langfristiger Großinvestor der Deutschen Bank“, beteuert der Sprecher.

Vorteilhafte Struktur

Fakt ist, dass das bestehende Engagement der Chinesen bei der Deutschen Bank nun sicherer und stabiler geworden ist. Denn die Schulden, mit denen HNA das Aktienpaket der Deutschen Bank finanziert hat, sind nun überwiegend gegen Kursverluste abgesichert. Die Collar-Finanzierung bei der UBS ist dadurch von 2,4 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen. Den normalen Kredit von zuletzt 253 Millionen Euro hat C-Quadrat gänzlich zurückgeführt.

Das ist ein Vorteil: Bei einem normalen Kredit hätte HNA bei hohen Kursverlusten der Deutschen Bank eventuell Sicherheiten nachschießen müssen. Bei der Collar-Finanzierung ist das nicht der Fall.


Auch in den kommenden Wochen kann es hier und da noch zu Verschiebungen kommen zwischen Stimmrechten, die HNA direkt an der Deutschen Bank hält, und indirekten Beteiligungen. Der HNA-Sprecher stellte in Aussicht, dass es auf absehbare Zeit durchaus noch zu entsprechenden Stimmrechtsmitteilungen kommen könne.

Mit der geringeren Beteiligung HNAs an der Deutschen Bank stellt sich die Frage, wer eigentlich der größte Einzelaktionär des Instituts ist. Bislang war das klar HNA.

Nun kämen theoretisch auch die beiden miteinander verbundenen Fonds der Herrscherfamilie aus Katar in Frage. Offiziell liegt deren Beteiligung zusammen bei 6,1 Prozent. Über indirekte Stimmrechte sollen sie aber höher beteiligt sein, die Schätzungen schwanken zwischen acht Prozent und knapp zehn Prozent.

Solange die Fonds aber nicht zwischenzeitlich Beteiligungsschwellen berühren, bei denen sie zu Meldungen verpflichtet sind, lässt sich das nicht genau eingrenzen.