"Der Anspruch muss sein, fehlerfrei zu bleiben": So erleben zwei junge Investmentbanker den Arbeitsalltag bei der Deutschen Bank

·Lesedauer: 4 Min.
Felix Scharpenberg und June Blake arbeiten als Investmentbanker bei der Deutschen Bank
Felix Scharpenberg und June Blake arbeiten als Investmentbanker bei der Deutschen Bank

Durchgearbeitete Nächte, 100 Stunden Arbeit pro Woche und Stress ohne Ende: Diesen Ruf hat der Job von Investmentbankern. Verstärkt wurde dieses gängige Image unter anderem durch Berichte von jungen Mitarbeitern der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, die Anfang des Jahres durch die Presse gingen. Von extremer Arbeitsbelastung war die Rede, das Arbeitspensum hätte bei 105 Stunden pro Woche gelegen.

Zwei, die sich davon nicht haben abschrecken lassen, sind June Blake und Felix Scharpenberg. Beide sind Ende zwanzig und seit mehr als einem Jahr als Investmentbanker bei der Deutschen Bank in Frankfurt tätig.

„Ein Juniorbanker gab mir seine Visitenkarte – so kam es zum ersten Praktikum“

Seit Oktober 2020 arbeiten die beiden im traditionsreichen Geldhaus. Ihr Weg dorthin war unterschiedlich. Blake machte zunächst bei der Deutschen Bank eine Bankausbildung. Danach studierte sie an der Frankfurt School of Finance Betriebswirtschaftslehre (BWL), um auch auf internationaler Ebene arbeiten zu können. Da die Hochschule eine enge Verbindung zum Finanzplatz hat, hätten viele Banken dort Vorträge gehalten. „In dieser Zeit bin ich mit dem Thema Investment Banking in Berührung gekommen“, sagt Blake. Nach mehreren Praktika in diesem Bereich, unter anderem bei der britischen Bank Barclays, habe sie sich wieder bei der Deutschen Bank beworben.

„Bei mir war nach dem Abitur nicht direkt klar, dass ich zu einer Bank gehen will“, sagt Scharpenberg. Das hätte sich erst im Laufe des Bachelorstudiums an der Fachhochschule Münster entwickelt. „Ich habe BWL studiert und der Bereich Finanzen hat mir am meisten Spaß gemacht.“ Mit diesem Schwerpunkt habe er dann auch seinen Master absolviert, diesmal an der Universität in Münster. „Meine erste Praxisveranstaltung an der Uni hatte die Deutsche Bank organisiert, mit einem Workshop und viel Raum zum Kennenlernen“, erinnert sich der junge Banker. Das hätte ihn direkt angesprochen. „Ein Juniorbanker gab mir seine Visitenkarte – und so kam es zu meinem ersten Praktikum bei der Deutschen Bank.“ Nach dem Master ist er dort dann fest eingestiegen.

Risiken analysieren und Glaubwürdigkeit prüfen

Bei der Deutschen Bank arbeitet Scharpenberg im Bereich für strukturierte Finanzierungen. Dort entwickelt er für die Kunden der Deutschen Bank „maßgeschneiderte Finanzierungslösungen“, wie selber sagt. In der Regel handelt es sich hierbei um Finanzierungen, die einen speziellen Zweck erfüllen sollen, wie etwa eine Unternehmensakquisition.

Eine seiner Aufgaben als Junior ist es sein Team bei der Risikoanalyse von Kunden zu unterstützen. Dafür bekomme er Materialien bereitgestellt, wie etwa Finanz- oder Jahresabschlussdaten und Prüfungsunterlagen von Beratern, die unter anderem die finanzielle Situation oder das Geschäftsmodell des Unternehmens „genau unter die Lupe genommen haben“.

Zudem prüfe Scharpenberg die Glaubwürdigkeit der Geschäftsplanung. „Vor diesem Hintergrund schauen wir uns beispielsweise an, wie unsere Finanzierung bepreist werden muss, damit das Ausfallrisiko für die Bank angemessen berücksichtigt ist und gleichzeitig der Kunde nicht finanziell überfordert ist.“ Auf dieser Basis bereite er interne Antragsunterlagen vor, anhand derer Deutsche-Bank-Kollegen vom Kreditrisiko-Management beurteilen können, ob das verbundene Risiko auch akzeptabel sei.

DAX-Konzerne mit Finanzratschlägen beraten

Blake arbeitet als Analystin im Debt Capital Markets-Team und begleitet große Unternehmen bei Kapitalmarkttransaktionen. „Wenn etwa ein DAX-Konzern Finanzierungsbedarf hat, beraten wir ihn, wie er am besten an den Kapitalmarkt gehen könnte.“ Dabei schlagen sie und ihr Team vor, wie die Unternehmen ihr Angebot strukturieren müssen, damit die Anleihen für Investoren attraktiv sein.

Eine typische Aufgabe sei es, den Kunden auf den neuesten Stand des Marktumfelds zu bringen, mit Präsentationen, die Blake dann erstellt. Dazu gehören Analysen zum Wettbewerb, der aktuellen Situation an den Finanzmärkten und von anderen wichtigen Nachrichten, die die Kapitalmärkte beeinflussen könnten.

„Anspruch muss sein, fehlerfrei zu bleiben“

„Bei diesem Job sollte man auf jeden Fall stressresistent sein“, sagt Blake. Häufig bekomme man verschiedene Aufgaben von verschiedenen Teammitgliedern und müsse priorisieren, um eine Struktur aufbauen. Die Kernfrage sei: Wie organisiere ich mich selbst? „Chaos vervielfacht das Stresslevel“, so die junge Bankerin. Zudem würden viele Dokumente und Mails direkt an den Kunden geschickt werden, hier sollte man genau aufpassen. „Klar, Fehler können immer passieren. Aber der Anspruch muss trotzdem sein, fehlerfrei zu bleiben“, sagt Blake.

Auf das wichtigste Thema, die Arbeitszeit, bekommen wir im Gespräch nur sehr diplomatische Antworten. „Wann am Abend Schluss ist, kann ich nicht pauschal sagen“, sagt Blake. Wann sie gehe, hänge immer vom Projekt ab. „Manchmal dauert’s länger – aber dafür gehen wir auch mal früher, wenn es passt.“ Was konkret „länger“ bedeutet? Darauf gab es keine Antwort.

Ob die Beiden die Serie Bad Banks gesehen haben, die das Leben junger ehrgeiziger Investmentbanker zeigt? Klares „Ja“, von beiden. Ob die Serie, die unter anderem extremen Druck und exzessives Arbeiten zeigte, auch realistisch ist? „Ich glaube, wenn sich jemand das Investment Banking so vorstellt, wie es die Serie Bad Banks darstellt, wird er enttäuscht sein“, sagt Blake. „Bei uns geht es vergleichsweise ruhig zu.“ Scharpenberg findet, dass die Klischess in solchen Serien und Filmen meistens „sehr überspitzt“ dargestellt werden. „Aber rein fachlich hat das in Bad Banks fast alles Sinn ergeben“, sagt der junge Banker: „Das war schon realitätsnah.“

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.