Was die Anschläge für Spaniens Tourismusindustrie bedeuten

Die Terrorattacken von Barcelona und Cambrils erschüttern Europa. Das Urlauber betroffen waren, ist für den noch jungen Tourismusboom in Spanien ein herber Rückschlang. Aber es gibt auch Hoffnung.


Erneut hat islamistischer Terror Europa getroffen, erneut leiden Einheimische sowie Urlauber unter Angst und Unsicherheit. Nach gegenwärtigen Informationen hat das Attentat in Barcelona bisher 13 Tote und mehr als 100 Verletzte gefordert. Vergangene Nacht ist ein Lieferwagen auf der beliebten Flaniermeile in die Menschenmenge gerast. Bisher wurden vier Personen festgenommen, der Hauptverdächtige ist auf der Flucht. Die grausame Tat hat der sogenannte Islamische Staat für sich reklamiert. Doch was bedeutet der Terror für Spanienurlauber? Muss das Land mit einem Rückgang in der Tourismusbranche rechnen?


Derzeit erlebt Spanien einen regelrechten Tourismusboom, das bestätigt auch Tourismus-Experte Harald Pechlaner. Zu den Profiteuren gehörten aber auch Italien, Kroatien oder Portugal. Für diese Länder sei es von Vorteil, dass Urlauber von Risikoländern, wie beispielsweise der Türkei, Abstand nehmen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die zunehmend angespannte politische Lage unter der Regierung Erdogans und die jüngsten Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes halten mögliche Touristen von Buchungen zurück.

Laut Pechlaner leide die Türkei unter einer enormen Häufung von Missständen. Spanien hingegen erleidet eine zwar tragische, aber bis Dato einmalige Situation. „Solange nicht weitere Attentate folgen oder sich andere negative Umstände für Spanien ergeben, bleiben die Folgen für den Tourismus kurzfristig und somit überschaubar“, sagt der Tourismus-Experte. Es gelte: Touristen würden schnell vergessen und kämen wieder. Auf der anderen Seite sagt Tourismusforscher Martin Linne: „Hätte das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen, dann hätten sich sicherlich viele Urlauber gegen ihre Spanienreise entschieden.“


Ein elementares Problem der europäischen Metropolen sei die Bewältigung der Massen an Touristen. In Barcelona kam es jüngst zu Protesten der Einheimischen, weil das Stadtzentrum immer mehr von Urlaubern belagert wird. Die Forderung war klar formuliert: Barcelona will kein zweites Venedig werden. Konkret heißt das, dass die Katalanen gegen die Förderung des Tourismus sind, die auf den Kosten ihrer eigenen Lebensqualität ausausgetragen wird. Es sei nachvollziehbar, dass Touristen nicht willkommen seien, wenn die sogenannte „Carrying Capacity“, also die Tragfähigkeit, nicht gewährleistet werden könne, sagt Pechlaner und warnt daher: „Großstädte müssen eine Lösung dafür finden, diese Menschenmengen zeitlich und auch geografisch zu entzerren.“


Kleinere Städte profitieren zunehmend

Insofern sei Spanien nicht mehr oder auch nicht weniger gefährdet als andere beliebte Ziele innerhalb Europas. In diesem Zusammenhang spiele es auch eine wichtige Rolle, wie die Touristen an ihr Reiseziel kämen. Städte wie Dubrovnik, Rom oder eben auch Barcelona werden durch die leichtere Erreichbarkeit und die günstigeren Preise zu größeren Massentourismus-Destinationen als früher. Zum einen würden die Reisebuchungen vermehrt über digitale Kanäle gehen und Übernachtungsmöglichkeiten über das Internetportal AirBnB würden ihren Weg in den Alltag der Reisenden finden. Ein beachtlicher Teil der Touristen käme zusätzlich von der Sparte Kreuzfahrttourismus, dessen Attraktivität nicht außer Acht gelassen werden sollte.


Darüber hinaus gibt es durch Billigflug-Angebote Unmengen an Möglichkeiten für Urlauber, diese beliebten Destinationen zu erreichen –Touristen sind heute mobiler als vor einigen Jahrzehnten. Daher kommt es zu Häufungen in europäischen Metropolen. „Dieses Phänomen erhöht die Anfälligkeit für Terroranschläge massiv“, sagt Pechlaner. Da auch Touristen diese Beobachtungen machen, werden diese Ziele zunehmend vorsichtiger gebucht. Pechlaner ergänzt: „Tendenziell werden Großstädte, wie London, Paris, Rom und Barcelona im Gegensatz zu mittelgroßen oder kleinen Städten verlieren. Kleinere Städte profitieren zunehmend vom Tourismus, weil sie auf Urlauber sicherer und damit attraktiver wirken.“

Ob Touristen aus Asien ähnlich wie nach den Attentaten in Frankreich, speziell nach dem Terroranschlag in Nizza auch Barcelona vermehrt meiden, hängt mit der Berichterstattung vor Ort zusammen, sagt Tourismusforscher Dr. Linne. Da die Ermittlungen der spanischen Polizei bereits erste Ergebnisse in Form von Verhaftungen vorweisen, sehe Linne keinen Grund für das Wegbleiben der Touristen aus Fernost. Darüber hinaus sei die aktuelle Reise-Hochsaison fast vorüber, dementsprechend hätte das Attentat keine Auswirkungen für das Reisejahr 2017.

Diese Einschätzungen kann ein Sprecher des Reiseveranstalters Alltours bestätigen. Es seien zwar vereinzelt Anrufe und E-Mail-Anfragen eingegangen, aber bisher hätte sich kein Kunde dazu entschieden, seine Spanienreise zu stornieren oder umzubuchen.