Anschläge erschüttern Afghanistan inmitten von Friedensgesprächen

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Bei einem Selbstmordanschlag am Samstag wurden mindestens 24 Menschen getötet
Bei einem Selbstmordanschlag am Samstag wurden mindestens 24 Menschen getötet

Trotz der Friedensgespräche zwischen den radikalislamischen Taliban und der Regierung in Kabul wird Afghanistan weiter von Gewalt erschüttert. Die Zahl der Todesopfer durch einen Selbstmordanschlag nahe eines Bildungszentrums im Westen Kabuls am Samstag erhöhte sich auf 24, wie das Innenministerium am Sonntag mitteilte. Der afghanische Inlandsgeheimdienst gab derweil die Tötung des ranghohen Al-Kaida-Anführers Abu Muhsin al-Masri bekannt.

Den Anschlag nahe dem Bildungszentrum reklamierte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich. Beim Großteil der 24 Todesopfer handele es sich um Studenten, sagte Innenministeriumssprecher Tarik Arian. 57 weitere Menschen seien verletzt worden.

In der Umgebung des Bildungszentrums leben viele Angehörige der schiitischen Hasara-Minderheit, die immer wieder ins Visier sunnitischer Extremisten gerät. Nach Angaben des Innenministeriums konnte der Angreifer bei dem Versuch gestoppt werden, in die Bildungseinrichtung zu gelangen. 

Kurz zuvor hatte es in der nordafghanischen Provinz Ghasni einen Bombenanschlag auf einen Bus gegeben, durch den mindestens neun Zivilisten getötet wurden. Die Polizei machte für diesen Anschlag die radikalislamischen Taliban verantwortlich.

Die Nationale Sicherheitsdirektion, Afghanistans Inlandsgeheimdienst, meldete unterdessen die Tötung des hochrangigen Al-Kaida-Verantwortlichen al-Masri in derselben Provinz durch eine Spezialeinheit der afghanischen Streitkräfte. Bei dem Einsatz sei zudem ein Vertrauter des Ägypters festgenommen worden, der "Kontakt zu den Taliban" gehabt habe, hieß es aus Geheimdienstkreisen. Wann der Einsatz erfolgte, war zunächst unklar.

Der auch unter dem Namen Husam Abd-al-Ra'uf bekannte al-Masri soll die Nummer zwei der Al-Kaida in Südasien gewesen sein und stand auch auf der Liste der meistgesuchten Extremisten der US-Bundespolizei FBI. Im Dezember 2018 hatten die USA einen Haftbefehl für al-Masri ausgegeben. Das FBI beschuldigte ihn der Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation und der Verschwörung zur Tötung von US-Bürgern.  

Innenminister Masud Andarabi wertete den Einsatz als Beleg für Verbindungen zwischen der Extremistenmiliz Al-Kaida und den radikalislamsichen Taliban. "Die Tötung eines zentralen Al-Kaida-Mitglieds durch das Nationale Sicherheitsdirektorat zeigt die engen Verbindungen der Taliban mit den Terrororganisationen, die gegen die afghanische Regierung und ihre Bevölkerung vorgehen", schrieb er im Online-Dienst Twitter. Den Taliban warf er vor, mit Blick auf ihre Verbindungen zur Al-Kaida "zu lügen". 

Die Regierung in Kabul und die Taliban führen derzeit in der katarischen Hauptstadt Doha Friedensgespräche, die den jahrelangen Konflikt in dem Land beenden sollen. Die Verhandlungen waren durch ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban zustande gekommen, das den schrittweisen Abzug der US-Truppen aus dem Land regelt. 

Wegen der anhaltenden Gewalt in Afghanistan gestalten sich die Friedensgespräche jedoch schwierig. Die afghanischen Behörden machen die Taliban immer wieder für Anschläge auf Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich; die Radikalislamisten nutzen die Gewalt ihrerseits als Druckmittel in den Verhandlungen.

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Oktober einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Weihnachten in Aussicht gestellt. Sowohl der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, als auch US-Generalstabschef Mark Milley betonten jedoch, dass eine deutliche Reduzierung der Gewalt durch die Taliban eine Voraussetzung für den Abzug der Truppen sei. 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte dazu vergangene Woche, die Allianz werde gemeinsam über den Zeitpunkt des Abzugs entscheiden. Auch hob er hervor, dass der Abzug an Bedingungen geknüpft sei. 

In ihrem in Doha geschlossenen Abkommen mit den USA hatten sich die Taliban zu einer Reduzierung der Gewalt verpflichtet. Die USA waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert und hatten die damalige Taliban-Regierung gestürzt. 

isd/ju