Nach Anne-Frank-Verunglimpfung: Lazio sorgt für nächsten Antisemitismus-Eklat

Die Ultras von Lazio Rom sowie der Klubpräsident haben einmal mehr einen katastrophalen Eindruck hinterlassen. Eine Aktion der Serie A gegen Antisemitismus wurde ins Lächerliche gezogen.

Nachdem Lazio-Fans im Spiel gegen Cagliari Sticker mit dem Konterfei von Anne Frank im Trikot von Rivale AS Rom verbreitet und mit Beleidigungen versehen hatten, sah sich die Serie A zu Maßnahmen gezwungen. Vor dem 10. Spieltag wurde in allen Stadien aus dem Buch der von den Nazis ermorderten Jüdin vorgelesen.

anne frank lazio 25102017

Was als Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus gedacht war, verfehlte im Fall Lazio allerdings seine Wirkung. Die Ultras des Klubs verweigerten sich beim Auswärtsspiel in Bologna gemeinsam der Verlesung und blieben außerhalb des Stadions. Als das Spiel schließlich begann, füllten sie die Kurve und begannen direkt mit Schmähgesängen.

Lazio-Präsident spricht von "Scharade"

Im Stadion Dall'Ara in Bologna standen diese Anhänger obendrein in der sogenannten Arpad-Weisz-Kurve. Der ehemalige Spieler und Trainer war vier Jahre lang für den AGC Bologna verantwortlich gewesen, wurde 1944 aber ebenfalls Opfer der Judenverfolgung.

Wenig vorbildhaft agierte auch Lazio-Präsident Claudio Lotito. In Reaktion auf die antisemitischen Vorfälle der letzten Woche besuchte er mit der Mannschaft eine Synagoge. Dabei wurde er gefilmt, wie er den Besuch als "Scharade" bezeichnete. 

Curva-Nord-Sperrung umgangen

In einem späteren TV-Interview sprach Lotito obendrein vom Besuch einer Moschee, nicht von einer jüdischen Synagoge. Die Curva Nord im Römer Olympiastadion wurde in Reaktion auf den Rassismus für ein Spiel gesperrt, den Dauerkartenbesitzern wird allerdings für einen Euro mehr ein Platz auf der gegenüberliegenden Seite angeboten.

Obendrein erhielten die Lazio-Anhänger auch noch Unterstützung aus dem Lager von Juventus Turin. Eine Ultra-Gruppe erklärte per öffentlichem Brief, dass Fan-Rivalität gelegentlich in "schwarzen Humor" umschlagen würde, gleichwohl aber noch immer als "Fußball-Rivalität" gelte.