Anna Netrebko bricht ihr Schweigen: Zwischen allen Stühlen

Ihre Karriere im Westen blühte trotz der Nähe zum russischen Präsidenten: Anna Netrebko (50) war auf den europäischen Opernbühnen stets ein gern gesehener Gast. Doch dann überfiel Wladimir Putin die Ukraine, und alles wurde anders.

Comeback in Paris

Denn während viele im Ausland lebende Russen sich positionierten, schwieg die aus Russland stammende Sopranistin zum Krieg im Osten. Die sonst so stimmgewaltige Sängerin blieb lange stumm und begann, geplante Konzerte abzusagen. "Es ist nicht die richtige Zeit für mich aufzutreten und zu musizieren. Ich hoffe, dass mein Publikum diese Entscheidung verstehen wird", schrieb zu zum Beispiel in einem Statement zur Verschiebung eines Auftritts in der Hamburger Elbphilharmonie. Mittlerweile ist Anna Netrebko aber wieder zurück: Am Mittwochabend (1. Juni) sang sie vor begeistertem Publikum in Paris. In einem Interview mit der 'Zeit' versuchte sie jetzt, ihre Haltung zu erklären.

Anna Netrebko hofft auf Verständnis

"Ich bin natürlich gegen diese schreckliche Gewalt", stellte sich Anna Netrebko gegen den Krieg in der Ukraine. Sie sei auch nicht gegen das Land, das von Putin überfallen wurde. Dennoch könne sie nicht offen Stellung gegen den russischen Präsidenten beziehen. "Niemand in Russland kann das. Putin ist immer noch der Präsident Russlands. Ich bin noch immer eine russische Staatsbürgerin, da kann man so etwas nicht machen. Verstehen Sie?" Sie wolle gegen antirussische Sentiments ansingen. Der Krieg bedeutet jedoch, dass sie zwischen den Stühlen sitze: "In Russland ist man schon verärgert darüber, dass ich überhaupt etwas dagegen gesagt habe." Anna Netrebkos Hoffung: "Eines Tages werden die Menschen verstehen."

Bild: Janet Mayer/Startraksphoto.com

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