Das Ende eines tristen November

Der Dax bringt am Donnerstag ein dickes Plus auf die Kurstafel. Die Anleger wollen einen schwierigen November versöhnlich enden lassen. Trotz Rekordhoch zum Monatsanfang bleibt das Minus unterm Strich aber stehen.


Im November wollte einfach nicht das gelingen, was gelingen soll in Frankfurt. In der ersten Handelshälfte am Donnerstag hatten sich die Anleger angriffslustig gezeigt, der Dax rückte fast ein Prozent vor. Doch danach ließ der Schwung stetig nach. Als am Nachmittag der Euro drehte und stark aufwertete, war es vorbei mit dem Dax-Plus. Am Ende kam der Dax mit 13.023 Punkten 0,3 Prozent tiefer zum stehen.

Und während man in Frankfurt Angst davor hat, dass die Tausendermarke wieder fällt, erklommen die Börsianer in New York mal eben die nächste. Neues Allzeithoch des Dow Jones: 24.072 Punkte. Nun sind es ganze 11.000 Zähler, die die Platzhirsche auf beiden Seiten des Atlantiks trennen. Und wer am letzten Tag des Monats auf Rückenwind von der Wall Street hoffte, der wurde enttäuscht.

Alles in einem war der Herbstmonat eine schwierige Zeit auf dem Parkett. Zwar war der Dax in seiner zweiten Woche auf ein Allzeithoch von 13.525 Punkten gespurtet – die Krönung einer starken Rally im September und Oktober. Danach aber kam Sand ins Getriebe. Unterm Strich bleibt ein Monatsminus von 1,6 Prozent in den historischen Kursbüchern.


Dass Europas Handel sich zwischenzeitig noch einmal aufbäumte, lag vor allem an den neuen Inflationszahlen aus dem Euro-Raum. Die Preissteigung im November stieg von 1,4 auf 1,5 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in der ersten Schätzung am Vormittag bekannt gab. Experten hatten mit durchschnittlich 1,6 Prozent die Teuerungsrate etwas höher gesehen.

Die Inflation rückt damit zwar näher an die Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die stabile Preise bei einer Rate von knapp unter zwei Prozent verortet. Doch der Preisdruck bleibt gering. Experten hatten mit durchschnittlich 1,6 Prozent die Teuerungsrate etwas höher gesehen. Das nährt die Spekulationen auf eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik der Euro-Währungshüter. Am 14. Dezember kommt der Rat um Präsidenten Mario Draghi zusammen, um letzte geldpolitische Entscheidungen für die Zeit nach 2017 zu treffen.

„Der Preisdruck enttäuscht und ist weiterhin auf einem von der EZB als zu gering bewerteten Niveau“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Die EZB bleibt damit bis auf weiteres bei ihrem zögerlichen Kurs der geldpolitischen Veränderungen.“ Um ihr Ziel der Preisstabilität zu erreichen, aber auch um die Konjunktur im Euro-Raum zum Laufen zu bringen, pumpt die EZB Milliarden in den Anleihenmarkt. In ihrer Oktobersitzung beschlossen die Währungshüter eine Kürzung des monatlichen Kaufvolumens. Was die Finanzwelt als den ersten Schritt raus aus der ultralockeren Geldpolitik sieht, die die Zentralbank seit der Euro-Krise fährt.


Richtungsweisend ist auch das heutige Treffen der Opec-Staaten. Das Petro-Kartell kam in Wien zusammen, um mit anderen Ölnationen wie Russland eine Verlängerung des aktuellen Förderlimits zu beschließen. Um dem Preisverfall des Rohstoffs entgegenzuwirken, hatten sich die Erdölexporteure auf eine Deckelung der monatlichen Fördermenge geeinigt, trotz aller gegensätzlichen Interessen und der Konkurrenz untereinander. Zum Handelsschluss gab es noch keine offizielle Einigung. Delegierte berichteten aber von einer bereits feststehenden Fortsetzung der Förderkürzungen bis Ende 2018 fortzusetzen. Die Barrel-Kontrakte zogen an.




Nach möglichem Apple-Schwenk fällt Dialog von der Klippe


Von Konjunkturseite stehen zudem die Konsumausgaben in den USA auf der Agenda. Die Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Von den Zahlen erhoffen sich Börsianer Rückschlüsse über Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve kommt am 13. Dezember für die letzte geldpolitische Sitzung des Landes zusammen. Auf dem Parkett ist man noch am diskutieren, ob der nächste Zinsschritt noch im Kalenderjahr 2017 erfolgt.

Unter den Einzelwerten in Frankfurt zog ein Papier alle Aufmerksamkeit auf sich. Die im TecDax gelisteten Dialog Semiconductor stürzten ins Bodenlose, die Aktien verbrannten ein Fünftel ihres Wertes. Die Faust im Nacken: Ein möglicher Strategieschwenk von Apple bei der Produktion. Laut „Nikkei“ entwirft Apple Main Power Management Chips für seine iPhones künftig selbst. „Für Dialog ist das eine Katastrophe“, sagte ein Händler. Die Deutsch-Briten sind Chip-Zulieferer des Tech-Giganten aus Cupertino.


Unter den Einzelwerten in Frankfurt fielen Salzgitter-Aktien nach einem Analystenkommentar um mehr als einem Prozent ans MDax-Ende. Händlern zufolge stufte Bankhaus Lampe die Titel herunter auf „Hold“ von „Buy“. Der Lichtspezialist Osram hat zum 111-jährigen Markenjubiläum für das Geschäftsjahr eine „Jubiläumsdividende“ von 111 Cent je Aktie vorgeschlagen. Die Anleger reagierten verhalten positiv, der Kurs gewann ein Prozent.

Ein möglicher Strategieschwenk von Apple bei der Produktion hat am Donnerstag einen Kurssturz bei den Aktien des Chip-Zulieferers Dialog Semiconductor ausgelöst. Die Titel brachen um 21,8 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 29,02 Euro ein. Laut „Nikkei“ entwirft Apple Main Power Management Chips für seine iPhones künftig selbst. „Für Dialog ist das eine Katastrophe“, sagte ein Händler.

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