Anleger wittern Rekord

Auf dem Aktienmarkt läuft es derzeit rund: Die Krisen des Jahres rücken in den Hintergrund, gute Wirtschaftsdaten kommen hinzu. Die neue Handelswoche könnte an der Börse Geschichte schreiben.


Die Zeit der Skeptiker scheint abzulaufen. Auf dem Börsenparkett macht sich sichtbare Entspannung breit – nachvollziehbar nach der abgelaufenen Handelswoche, die vierte in Folge, die der Dax mit einem Plus abschloss. In kurze Worte fasst es Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers: „Nach dem guten September ebnen überzeugende Konjunkturindikatoren dem Dax den Weg zu neuen Höchstständen im Oktober.“

Der neue Rekord war bereits am Freitag in Reichweite, denn das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer schloss weniger als ein Prozent unter seinem Top von 12.889 Zählern. Diesen Höchststand hatte der Dax Mitte Juni erreicht.


Als weitere Wegweiser fungierten zwei andere Indizes. Der MDax, der mittelgroßen Werte auf dem deutschen Aktienmarkt abbildet, kletterte am Freitag den zweiten Tag in Folge auf ein neues Hoch. Und der technologielastige TecDax machte immerhin mit dem höchsten Stand seit 17 Jahren auf sich aufmerksam.

Viele Faktoren treiben den jüngsten Aufschwung, der vor kurzem noch kaum für möglich gehalten wurde. Konjunkturrisiken sind in den Hintergrund gerückt. Deshalb haben Anleger auch geopolitische Risiken vorerst ausgeblendet. Experten schauen stattdessen wieder auf Fundamentaldaten.


Das bringt Rory Bateman, Europa-Aktienleiter beim britischen Vermögensverwalter Schroders, auf den Punkt. Er rechnet mit steigenden Gewinnmargen der Firmen. „Wir gehen davon aus, dass es der Beginn eines mehrjährigen Prozesses ist“, sagt er. Er hält bei europäischen Aktien in den kommenden drei Jahren ein Plus von bis zu 30 Prozent für möglich.

Aus der deutschen Brille hilft eine zuletzt wieder fallende Gemeinschaftswährung. Der Euro liegt mit rund 1,18 Dollar circa drei Cent tiefer als vor zwei Wochen. Ein starker Euro, wie es zuletzt der Fall war, macht heimische Produkte teurer – und belastet deshalb die Performance vieler exportorientierter Firmen. „Der sich abschwächende Euro ist ein Stimmungsaufheller für deutsche Exportwerte“, urteilt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.


Mögliches Risiko: Katalonien

Auch das globale politische Pendel scheint inzwischen wieder von Risiko auf Chance zu drehen. Die Nordkorea-Krise ist nach vergangenen Eskalationsstufen wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Gleichzeitig sorgte der US-Präsident, Donald Trump, mit seinen – wenn auch umstrittenen - Plänen für Steuersenklungen für Aufmerksamkeit an der Wall Street. Darauf hatten Investoren lange Zeit vergeblich warten müssen.

Die Abstimmung der Katalanen über eine Abspaltung von Spanien bleibt ein Thema an der Börse. Hier waren die politischen Wogen in der Auseinandersetzung mit der spanischen Zentralregierung zwar hoch gegangen. Vor dem Wochenende blickten die Analysten aber wieder etwas entspannter auf die iberische Halbinsel. „Es gibt Hoffnung, dass sich die Lage nach dem Referendum etwas entspannen wird“, sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. „Denn zumindest ein Teil der Regionalregierung scheint bereit, auf eine sofortige Unabhängigkeitserklärung zu verzichten und stattdessen auf das Gesprächsangebot Madrids einzugehen.“


Ähnliches gilt für die Situation in Deutschland. Manche Beobachter verweisen zwar auf die noch unklare Regierungskoalition. Anleger und Firmen irritiert das jedoch kaum. Die Analysten der DZ Bank finden das rational: „Schließlich hat sich die Wirtschafts- und Finanzpolitik im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Unternehmen in der Vergangenheit selbst bei einem Regierungswechsel mittelfristig kaum geändert.“

Unter diesen Voraussetzungen blicken die Anleger verstärkt auf die Wirtschaftsdaten der neuen Handelswoche. Am Montag und Mittwoch werden die Einkaufsmanagerindizes für Europa und die USA neue Einblicke in den Zustand der Konjunkturen zulassen. Dazu kommen am Mittwoch und Freitag Zahlen zum US-Arbeitsmarkt.

Unabhängig davon läuft in den USA die Bilanzsaison an: Unter anderem legen der Getränke-Hersteller Pepsi und Monsanto Geschäftszahlen vor. Für den der Saatgut-Anbieter ist es einer der letzten Quartalsberichte vor der Übernahme durch Bayer.

KONTEXT

So sparen die Deutschen

Geldvermögen

Das Geldvermögen der deutschen Bürger beträgt insgesamt 5,6 Billionen Euro. Auf verschiedene Anlageklassen ist es wie folgt verteilt:

Stand Dezember 2016

Quelle: Bundesverband deutscher Banken, Bundesbank

Versicherungen und Pensionskassen

2,15 Billionen Euro

Spar-, Sicht- und Termineinlagen

2 Billionen Euro

Investmentfonds

518 Milliarden Euro

Aktien

373 Millionen Euro

Bargeld

166 Milliarden Euro

Schuldverschreibungen

127 Milliarden Euro

Sonstige Sparanlagen

218 Milliarden Euro