Euro-Kursrutsch sorgt für Dax-Rally


Der Kurs des Euro ist am Dienstag nach robusten US-Daten merklich unter Druck geraten. Starke Zahlen vom US-Arbeitsmarkt beflügelten den Dollarkurs. Die Zahl der offenen Stellen in den USA war im Juni deutlicher gestiegen als erwartet. Mit 6,2 Millionen wurde ein Rekordstand erreicht. Bereits am Freitag hatte der große monatliche US-Arbeitsmarktbericht positiv überrascht und den Dollarkurs gestützt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1741 US-Dollar. Am Mittag hatte der Euro noch über 1,18 Dollar notiert.

Aufgrund des fallenden Euros legte der Dax eine plötzliche Rally hin. Die Frankfurter Benchmark stieg vom Tagestief bei 12.184 Punkten schnell auf 12.329 Zählern. Danach gab der deutsche Leitindex aber wieder nach und ging mit 12.292 Zählern aus dem Handel - ein Plus von 0,3 Prozent. Der Euro Stoxx 50 stiegt um 0,3 Prozent auf 3516 Punkten.



Neben dem fallenden Euro beflügelte auch die Hoffnung auf weiteres Wachstum der Weltwirtschaft die Börsianer. Der MSCI-Weltindex stieg zeitweise sogar auf ein Rekordhoch von 480 Punkten.

„Konjunkturdaten deuten auf ein synchrones Wachstum sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern hin“, sagte Brian Coulton, Chefvolkswirt der Rating-Agentur Fitch. Die deutschen Exporte gingen im Juni allerdings so stark zurück wie seit zwei Jahren nicht mehr.

„Kein Wunder, der hohe Wechselkurs verteuert deutsche Waren im Ausland“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Viele Unternehmen können dem Anstieg des Euro nur mit niedrigeren Verkaufspreisen oder aber mit rückläufigen Umsätzen begegnen. Beides führt zu niedrigeren Gewinnen.“

Dennoch verlaufe die Bilanzsaison bisher erfreulich, sagte Analyst Ken Odeluga vom Brokerhaus City Index. Es gebe zwar negative Ausreißer, aber insgesamt fielen die Geschäftszahlen überdurchschnittlich aus. Reuters-Daten zufolge haben bislang 60 Prozent der europäischen Unternehmen die Markterwartungen ge- oder sogar übertroffen.

Unterdessen fiel am Anleihenmarkt der Renditeabstand - im Börsenjargon Spread genannt - der zehnjährigen italienischen Bonds zu ihren deutschen Pendants auf weniger als eineinhalb Prozentpunkte. Das ist der niedrigste Stand des Jahres.


Auslöser hierfür seien die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihren Anleihenkäufen, sagte Anlagestratege Martin Van Vliet von der Großbank ING. Die Währungshüter haben im Juli mehr italienische Papiere erworben als nach ihren selbst aufgestellten Regeln eigentlich erlaubt wäre. Die EZB will die Richtlinien eigenen Aussagen zufolge flexibel handhaben.

Bei den deutschen Aktienwerten griffen Investoren unter anderem bei der Deutschen Post zu. Die Papiere des Brief- und Paketzustellers stiegen um bis zu 1,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 34,78 Euro. Umsatz und Gewinn lägen über den Erwartungen, urteilte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Zum Handelsende lag die Aktie bei 34,59 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent.



Uniper gewannen in der Spitze sogar 4,1 Prozent und waren mit 18,95 Euro ebenfalls so teuer wie noch nie. Der Kraftwerksbetreiber peilt nach Vorlage der Halbjahres-Ergebnisse nun einen operativen Gewinn von mindestens einer Milliarden Euro an und stellte eine höhere Dividende in Aussicht. Zum Handelsschluss lag die Aktie bei 18,82 Euro, ein Plus von 3,4 Prozent.

In London brachen dagegen die Titel von InterContinental Hotels um bis zu 5,1 Prozent ein. Das Umsatzwachstum je Zimmer ging im zweiten Quartal auf 1,5 von 2,5 Prozent im Vorjahreszeitraum zurück. Die Gesamtjahresziele bekräftigte der Betreiber der Ketten „Holiday Inn“ und „Crowne Plaza“ dennoch.