Index schwach, Einzelwerte stark

Der deutsche Leitindex schleppt sich am Donnerstag mit leichten Verlusten durch den Mittagshandel. Mangelnde Impulse beenden die Hausse. Die Zinserhöhung der britischen Zentralbank kann die Anleger nicht schocken.


Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) herrscht am Mittwoch Stillstand, wenn auf die Gesamtheit der europäischen Aktienmärkte blickt. Bei Einzelwerten bietet sich am Mittwoch aber ein ganz anderes Bild.

Dax und EuroStoxx50 fanden bei unterdurchschnittlichen Umsätzen keine Richtung und schlossen kaum verändert bei 12.569 beziehungsweise 3.526 Punkten. Die Börsen warteten „wie das Kaninchen auf die Schlange“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Am späten Nachmittag machte die Commerzbank-Aktie einen Satz nach oben und notierte nach zwischenzeitlichen Verlusten zum Handelsschluss 2,5 Prozent im Plus. Grund: Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach der italienische Rivale Unicredit an einer Übernahme des Frankfurter Bankhauses interessiert sei.

Deutschlands größtes Bankhaus führte hingegen die Liste der Dax-Verlierer an: Die Deutsche-Bank-Aktie lag zum Handelsschluss 1,7 Prozent im Minus. Dies dürfte auch daran gelegen haben, dass einer der renommiertesten Bankanalysten Zweifel darüber geäußert hatte, dass sich das Institut von Grund auf regenerieren könne.

An der Wall Street tat sich im Vorfeld der Bekanntgabe der Fed-Zinsentscheidung um 20.00 Uhr (MESZ) kaum etwas. Investoren warteten vor allem darauf, ob die Notenbank den Startschuss für den Abbau ihrer billionenschweren Wertpapierbestände gibt. Der Dow Jones notierte unverändert bei 22.392 Punkten. Anleger hofften auf Hinweise am Abend, wann es zu einer weiteren Zinserhöhung kommt. „Im Allgemeinen dürfte die Fed vorsichtigere Töne anschlagen und damit einen weiteren Zinsschritt im Dezember immer unwahrscheinlicher machen“, sagte DZ-Bank Analyst Gerrit Pecksen. „In Reaktion auf etwaige Hinweise in diese Richtung könnte der US-Dollar heute unter moderaten Abgabedruck geraten.“


Salman Ahmed, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Lombard Odier, rechnet dagegen für dieses Jahr noch mit einer Anhebung der Leitzinsen, die derzeit in einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent liegen. Nach dem jüngsten Inflationsbericht gehen wir davon aus, dass der Offenmarktausschuss die nächste Zinserhöhung weiterhin für Dezember plant und für 2018 und 2019 unter Umständen eine langsamere Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus vorsieht.„ Der Dollar-Index, der den Wert der US-Währung im Vergleich zu sechs anderen Devisen widerspiegelt, notierte kaum verändert bei 91,69 Punkten. Der Euro pendelte sich knapp über 1,20 Dollar ein.

Neben der Commerzbank stand vor allem der Thyssen-Krupp-Konzern im Fokus, der mit seinem indischen Rivalen Tata Steel den zweitgrößten Stahlproduzenten in Europa schmieden will. „Aus Investorensicht ist die Stahlfusion mit Tata ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Technologiekonzern“, sagte Fondsmanager Ingo Speich vom Großaktionär Union Investment. Thyssen-Titel gewannen bis zu 5,3 Prozent und schlossen am Ende des Handelstages 2,4 Prozent im Plus. Tata legten in Indien 1,8 Prozent zu. Die Konkurrenten ArcelorMittal, Salzgitter, Acerinox und Outokumpu rückten um bis zu 1,8 Prozent vor.


Übernahmespekulationen trieben auch Anleger von Versorgern um. Eon gab den Startschuss für den Verkauf seines restlichen Anteils an der Kraftwerkstochter Uniper. Interesse hat der Energiekonzern Fortum aus Finnland. 2018 soll eine Entscheidung fallen. Uniper und Fortum gewannen je sechs Prozent, Eon und sein deutscher Rivale RWE legten jeweils rund drei Prozent zu.


Hochtief-Aktie gibt nach


Auf der Verliererseite im MDax standen die Titel von Hochtief, sie rutschten um bis zu zehn Prozent ab. Medienberichten zufolge will der Mutterkonzern ACS eine milliardenschwere Übernahme des hochprofitablen spanischen Mautstraßen-Betreibers Abertis über die deutsche Tochter abwickeln. Diese müsste sich dafür verschulden und frisches Kapital aufnehmen.

Der deutsch-südafrikanische Möbelhändler Steinhoff stand wegen des Börsengangs der Afrika-Tochter Star in Johannesburg im Blick. Die Star-Papiere stiegen im frühen Handel an der südafrikanischen Börse zeitweise um mehr als sieben Prozent. Die im MDax-notierten Anteile der Mutter zeigten sich mit einem moderaten Kursplus zuletzt eher unauffällig.

Aus den Depots flogen auch Inditex-Titel, sie gaben 1,8 Prozent nach. Die spanische Mutter der Modekette Zara baute zwar den Gewinn im ersten Halbjahr aus, leidet aber unter dem starken Euro.

Ermutigende Geschäftszahlen haben die britische Baumarktkette Kingfisher am Mittwoch an die Spitze des Londoner Auswahlindex FTSE katapultiert. Die Aktien des europäischen Branchenprimus stiegen um bis zu 7,9 Prozent auf 319,9 Pence. Offenbar trage die neue IT-Infrastruktur bereits früher als gedacht Früchte, urteilte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital.

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