Frankfurt macht schlapp


Der Dax hat am Dienstag schlappgemacht. Im Frühhandel hatte es so ausgesehen, als ob die Anleger nach dem Befreiungsschlag von gestern weiter auf Angriff setzten. Doch das morgendliche Plus wich schnell Gewinnmitnahmen. Es fehlten Impulse um den Schwung von den US-Steuerplänen aufrechtzuerhalten. So notierte der Deutsche Aktienindex am Frankfurter Nachmittag kurz vor Wall-Street-Auftakt 0,5 Prozent tiefer bei 13.012 Punkten – und unterschritt mehrmals die Tausendermarke. „Der Markt gönnt sich eine Verschnaufpause“, kommentierte der AxiTrader-Analyst Milan Cutkovic den europäischen Handel. Die Stimmung an den Börsen bleibe aber weiterhin gut und kurzfristig seien weitere Kursgewinne drin.

Dass der US-Senat die von Präsident Trump initiierte Steuerreform durchgebracht hat, hebt die Stimmung an den Märkten erheblich. Börsianer träumen durch die milliardenschweren Erleichterungen für Unternehmen von einem Wachstumsschub, der die Kurse noch einmal befeuert. An der Wall Street hatten die Kurse in den vergangenen Tagen mehrfach Bestmarken aufgestellt. In Europa und Asien hoffen die Akteure, dass vom möglichen Boom in den Staaten auch die hiesige Wirtschaft profitiert.


Einen weiteren Aufstieg gab die aktuelle Marktsituation nicht her. An der Konjunkturfront trübte ein schwacher Einkaufsmanager die Stimmung. Der PMI des Markit-Instituts fiel überraschend von 57,6 auf 57,3 Punkte. Experten hatten keine Veränderung erwartet. Auch der Dienstleistungsindex gab nach, von 54,9 auf 54,3 Zähler.

In Washington steht heute noch die erste Hürde im Nominierungsverfahren des designierten US-Notenbankchefs Jerome Powell an. Die Wahl im US-Senat gilt als sicher, ist dieser doch fest in republikanischer Hand.

Die jüngsten Vorgaben gestalteten sich jüngst nüchterner. Nach den Hochtagen scheinen die Kräfte aufgebraucht. An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index am Montag nach Handelsschluss in Europa seine Gewinne eingegrenzt. Er beendete die Sitzung 0,2 Prozent höher bei 24.290 Punkten. Der breiter gefasste S & P500 fiel um 0,1 Prozent, während die Technologiebörse Nasdaq 1,1 Prozent verlor. Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK sieht darin ein Warnsignal auch für die europäischen Anleger.


Tech-Werte waren es auch, die die Börsen in Asien nach unten. In Tokio gab der Nikkei-Index am Dienstag um 0,4 Prozent auf 22.622 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,2 Prozent auf 3.303 Punkte.

Unter den Einzelwerten in der ersten deutschen Börsenliga lag das Augenmerk auf der Deutschen Bank. Auf ihrem heutigen Kapitalmarkttag gibt Deutschlands größtes Institut die Details zum im nächsten Jahr geplanten Börsengang ihrer Vermögensverwaltungstochter bekannt. So soll die Sparte in eine GmbH & Co KGaA ausgegliedert werden und als DWS firmieren. Die Rechtsform schützt die Kontrollmöglichkeiten der Mutter, auf dem Parkett verbilligten sich die Deutsche-Papiere um 0,3 Prozent.


Dialog rutscht weiter ab


BMW-Anleger ließen sich von Vorwürfen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu Diesel-Manipulationen nicht aus der Ruhe bringen. Die Aktien legten 0,4 Prozent zu, nachdem sie vorbörslich noch unter Druck gestanden hatten. BMW teilte auf Anfrage mit, es gebe „keinerlei Aktivitäten und technische Vorkehrungen, den Prüfmodus zur Erhebung von Emissionen zu beeinflussen“. Das seien nicht die ersten Vorwürfe gegen BMW in diese Richtung, kommentierte ein Börsianer. Bei einer Pressekonferenz am späteren Vormittag dürfte die Deutsche Umwelthilfe ihre Vorwürfe konkretisieren.

Beim Elektrokonzern Siemens sorgte eine Verkaufsempfehlung der britischen Investmentbank Barclays für einen Kursrückgang von 0,65 Prozent. Das Geschäftsjahr 2017/2018 werde für die Münchner ein Übergangsjahr mit hohen Kosten, schrieb Analyst James Stettler. Für eine Aufspaltung, den besten Weg der Wertschöpfung, sei der Konzern noch nicht reif.


Steil bergab ging es erneut für die Aktien von Dialog Semiconductor. Sie gaben um fünf Prozent nach und waren mit Abstand der größte Verlierer im TecDax. Investoren befürchten, dass für den Chiphersteller viel Geschäft wegbricht, wenn der Großkunde Apple tatsächlich mit der Eigenproduktion diverser Bauteile für seine Smartphones und Tablets beginnt.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gewann am Dienstagvormittag 0,20 Prozent auf 26 990,48 Zähler, während der Technologiewerte-Index TecDax mit einem Plus von 0,02 Prozent auf 2490,98 Punkte kaum vom Fleck kam. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,05 Prozent auf 3577,89 Punkte.

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