Anleger werden am Donnerstag bei Continental nicht vorrangig auf die Zahlen schauen

Donnerstagfrüh präsentiert Continental seine Bilanz für 2017. Die Zahlen dürften wenig überraschen – etwas anderes wird spannender.

Bei einer Bilanzpressekonferenz richtet sich der erste Blick auf die Zahlen. Doch bei Continental wird es am Donnerstagvormittag etwas anders als üblich sein. Im Januar hatte der Zulieferkonzern aus Hannover angekündigt, dass es in diesem Jahr einen Umbau des Unternehmens geben könnte. Oder dass Conti Teile auslagert und an die Börse bringt.

Bis zur Jahresmitte, so damals die Ankündigung von Finanzvorstand Wolfgang Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt, werde voraussichtlich eine Entscheidung getroffen.

Auslöser der Überlegungen ist die grundlegende Neuausrichtung der Automobilindustrie mit Elektrifizierung und Digitalisierung. Eine neue Struktur soll dafür sorgen, dass sich Continental besser auf die Megatrends einstellt – und über einen Teilbörsengang vielleicht auch noch etwas Geld verdient.


Mit den ganz „heißen News“ aus Hannover wird am Donnerstag allerdings noch nicht zu rechnen sein. Das Conti-Management braucht noch etwas Zeit für seine Entscheidung. Außerdem muss in die Beschlüsse der Haupteigentümer – die Familie Schaeffler – mit eingebunden sein. „Der Vorstand könnte allerdings zumindest ein paar Indikationen geben, wohin die Reise am Ende gehen soll“, erwartet Chris McNally, Automobilanalyst beim Investmenthaus Evercore ISI.

Die Zahlen, die Continental am Donnerstag vorlegt, werden auf jeden Fall gut ausfallen, das steht schon im Vorfeld fest. Denn ebenfalls Anfang Januar hatte der Konzern aus Hannover die ersten Kerndaten dazu veröffentlich, wie sich die Geschäfte im vergangenen Jahr entwickelt haben.

Der Umsatz ist 2017 um acht Prozent auf 44 Milliarden Euro gestiegen, die operative Rendite liegt bei 10,8 Prozent. Mit diesen Zahlen kann sich Continental in der Branche sehen lassen. Die Rendite in Hannover ist beispielsweise um einiges höher als beim großen Kunden Volkswagen in Wolfsburg.

Reifen bleiben der Ertragsbringer

Auf der Bilanzpressekonferenz wird Continental mit dem Geschäftsbericht alle Details zur Entwicklung des vergangenen Jahres veröffentlichen. Allen voran den Jahresüberschuss, der sich wie in der Vergangenheit und parallel zum operativen Geschäft positiv entwickelt hat.

Ein besonderer Blick wird auf die einzelnen Spartenergebnisse fallen. Denn eigentlich besteht Continental aus zwei Teilunternehmen – aus der Reifensparte und aus dem klassischen Automobilzulieferergeschäft. Die Reifen sind der starke Ertragsbringer für Continental.

Einfach formuliert heißt das: Das Geld aus dem Reifengeschäft trägt besonders dazu bei, dass Continental die Zukunft mit Digitalisierung und Elektrifizierung finanzieren kann. Im vergangenen Jahr hatte der Reifenbereich ein wenig unter steigenden Rohstoffkosten gelitten. Weil dieser Faktor wegfällt, dürften die Geschäfte 2018 besser laufen.


Investoren interessieren sich aber auch dafür, wie sich der weniger renditestarke Zulieferbereich entwickelt hat. Eine wichtige Frage dabei: Verdient Continental mit diesem Geschäft noch ordentlich – trotz der hohen Investitionen in die beiden Megatrends Elektrifizierung und Digitalisierung? Auch in diesem Bereich gab es zuletzt höhere Rohstoffkosten. Wenn diese Belastungen wegfallen, könnte es mit dem Zuliefergeschäft ebenfalls stärker aufwärts gehen.

Zu guter Letzt wird Continental auch Einblicke dazu geben, wie sich die Geschäfte in den ersten Wochen des neuen Jahres entwickelt haben. Auch dafür gilt die Conti-typische Antwort: gut. Weltweit werden weiterhin mehr Autos verkauft, davon profitiert ein global vertretenes Unternehmen wie Continental.

Und in Deutschland und Europa müssen sich die Hannoveraner zudem keine besonderen Sorgen machen: Zulieferungen für Dieselmotoren sind bei Continental, etwa im Unterschied zum großen Konkurrenten Bosch, ziemlich unbedeutend. Die Dieselkrise kann Continental also kaum treffen.