Anleger bereiten sich auf das Ende des Handelsstreits vor

Der weiter schwelende Handelskonflikt zwischen China und USA hält viele Anleger vom Aktienkauf ab. Doch die Bereitschaft einzusteigen, wächst langsam wieder.


Mit der guten Laune ist vorbei. Dabei war die Zuversicht unter den Anlegern vergangene Woche noch groß. „Vorerst ist diese Situation ein Patt, eine ausgeglichene Börsenstimmung“, sagt Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3000 Investoren.

So gibt es Anzeichen für Optimismus, gleichzeitig sichern sich viele Anleger gegen fallende Kurse ab. „Auffällig ist aber die stark gestiegene Investitionsbereitschaft“, sagt der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Seit gut vier Monaten findet der Dax keine klare Richtung und notiert zwischen 13.100 und 11.800 Zählern. „Ungeachtet des Sommertheaters, des Hin und Her an den Märkten, positionieren Anleger nun für die Nach-Sommerzeit überwiegend long“, meint Heibel.

Für diesen vorsichtigen Optimismus dürften auch die überwiegend positiv ausgefallenen Quartalszahlen gesorgt haben. Viele Anleger glauben oder hoffen zumindest, dass eine Lösung des Handelsstreits mit China bevorsteht.

Obwohl viele Anleger für den Herbst eher steigende Kurse erwarten, beunruhigt der andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China sie doch. Täglich neue Meldungen zum weiteren Fortgang dieser Auseinandersetzung halten Investoren davon ab, jetzt schon Aktien zu kaufen. „Bei der kurzfristig großen Skepsis ist es aber unwahrscheinlich, dass die Aktienmärkte einen heftigen Ausverkauf erleben“, lautet die Schlussfolgerung des Animusx-Inhabers.

Für ihn sind steigende Kurse somit nur eine Frage der Zeit, allerdings sei die Zeit offensichtlich sehr dehnbar. „Je länger eine Lösung des Handelsstreits zwischen den USA und China auf sich warten lässt, desto größer wird der Abwärtsdruck werden“, erläutert er.


Basis für seine Prognose ist das Dax-Sentiment des Handelsblatts, eine Umfrage unter mehr als 3.000 Anlegern zur Börsenstimmung. Hinter solchen Erhebungen stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.


Die Ergebnisse der aktuellen Sentiment-Umfrage zeigen: Nur noch 13 Prozent (minus 23 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer sehen in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Aufwärtsimpuls. Auf der Gegenseite erkennt wieder gut jeder Fünfte (21 Prozent, plus 13 Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls.

Nach dem Auf und Ab der vergangenen Wochen gehen jedoch mit 53 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus, sich der Kurs also ja im Trend fortbewegt. „Die gute Laune der Vorwoche ist verflogen“, stellt Sentiment-Experte Heibel fest.

Die Entwicklung der Vorwoche kam aber doch ein wenig überraschend. Deutlich mehr Anleger (38 Prozent, plus 14 Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche als kaum erfüllt an. Weitere 13 Prozent (plus drei Prozentpunkte) wurden mit ihren Handelsaktivitäten offenbar auf dem falschen Fuß erwischt. Nur noch 39 Prozent (minus elf Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche durch die Dax-Bewegung dieser Woche zum größten Teil erfüllt. Elf Prozent (minus sechs Prozentpunkte) geben sogar an, darauf spekuliert zu haben.

Die Zuversicht für die Dax-Entwicklung in drei Monaten, die nach dem Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump sprunghaft angesprungen war, ist diese Woche wieder zurückgefallen.

Nur noch 31 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) erwarten für den deutschen Leitindex steigende Kurse, hingegen stieg die Zahl derer, die von künftig fallenden Kursen ausgehen (plus fünf Prozentpunkte auf 26 Prozent). Nur noch 29 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus, während acht Prozent (plus drei Prozentpunkte) für das deutsche Börsenbarometer in den kommenden drei Monaten eine Bodenbildung erwarten.


Viele Anleger glauben offenbar, dass sich das Sommertheater jederzeit dem Ende nähern könne. Entsprechend wollen aktuell 22 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, während nur noch 16 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) Aktien verkaufen wollen. Mit unverändert 62 Prozent bleiben die meisten vorerst unentschieden.

Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart ist diese Woche sprunghaft auf minus 3,3 gestiegen, vergangene Woche lag dieser Wert noch bei minus sechs. Dieser Wert zeigt: Privatanleger haben ihre Absicherungen gegen fallende Dax-Notierungen verringert. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Da dieses Sentiment aber noch im negativen Bereich notiert, ist die Zahl der Short-Produkte, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, höher als die der Long-Positionen. Privatanleger sind weiterhin gut gewappnet für fallende Kurse.


Institutionelle Anleger hingegen, die sich über die Frankfurter Eurex absichern, sind in der abgelaufenen Woche starke Long-Positionen eingegangen. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 0,9 gefallen und zeigt damit die stärkste Positionierung auf steigende Kurse seit Januar dieses Jahres an. Zur Erinnerung: Kurz danach begann die Korrektur an den Aktienmärkten. Ein Put/Call-Verhältnis größer als eins deutet auf überwiegenden Pessimismus hin, ein Wert unter eins, dass mehr Marktteilnehmer auf steigende Kurse setzen.

Auch die Profis in den USA haben sich in der vergangenen Woche von ihren Short-Positionen getrennt und sind inzwischen überwiegend neutral positioniert. Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist auf ein neutrales Niveau gefallen.

Derweil ist die Investitionsquote der Geldmanager in den USA um neun Prozentpunkte auf nur noch 76 Prozent gefallen. Somit ist noch einiges Geld für Investitionen verfügbar. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass es so leicht zu keinem Ausverkauf an den Märkten kommen dürfte.

Die Stimmung der US-Privatanleger ist mit einem Wert von minus drei Prozent fast neutral. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 71 Prozent bereits Gier an, hat aber noch kein extremes Niveau erreicht. Ganz ähnlich sehen weitere technische Indikatoren aus, die im neutralen Bereich liegen.


Ein Blick auf die anderen Sentiment-Umfragen zeigt ein eher positives Bild: „Der zuletzt gezeigte Optimismus kann jedoch als immer noch moderat bezeichnet werden“, schrieb Joachim Goldberg, der eine ähnliche Erhebung für die Börse Frankfurt auswertet, am vergangenen Mittwoch. „Von Euphorie kann also keine Rede sein, und der moderate Optimismus könnte sich im weiteren Verlauf durchaus noch als positiv für den Dax erweisen.“

Die Auswertung der Sentix-Kapitalmarktumfrage vom heutigen Montag zeigt bei Aktien aus dem Euro-Land ein „taktisches Kaufsignal“. Zumindest würden die Anleger kurzfristig jede Menge Gefahrenherde wittern. Die hektische Reaktion der Märkte habe in der abgelaufenen Woche den Anlegern Respekt eingeflößt. Das Sentix-Sentiment für Aktien in Euro-Land fällt deutlich - was als positives Zeichen zu sehen ist.


Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.