Nach weiteren Verlusten zum Handelsstart schließt der Dow Jones-Index am Dienstag deutlich im Plus. Die Volatilität ist zurück.


Die Investoren von US-Aktien mussten auch am Dienstag gute Nerven haben. Nach drei dramatischen Verlusttagen ging die Talfahrt an der Wall Street zunächst weiter.

Gleich zum Börsenstart tauchte der Dow-Jones-Index nach seinem historischen Verlust vom Montag um weitere 567 Punkte ab. Anschließend erholte er sich leicht, um wiederholt zwischen Plus und Minus zu wechseln. Doch zum frühen Nachmittag ging es steil nach oben.

Am Ende des Handelstages konnten die Anleger aber aufatmen: Die Schlussglocke läutete an der Wall Street, als der amerikanische Leitindex knapp 560 Punkte zugelegt hatte und damit bei 24815 Zählern 2,34 Prozent fester schloss. An den Punkten gemessen ist das der vierthöchste Anstieg in der Geschichte des Dow Jones, und er kommt einen Tag nach dem größten Punkteverlust in der Geschichte.


Noch immer versuchen Händler und Investoren zu verstehen, was an den Märkten passiert. Grund für die jüngsten Kursrutsche war ironischerweise die brummende Wirtschaft in den USA. Da immer mehr Amerikaner Arbeit haben und zuletzt auch die Löhne stiegen, hatten die Investoren Angst vor steigender Inflation. Denn die könnte dazu führen, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöht und damit die Konjunktur wieder abkühlen könnte.

Die Erholung am Dienstag kam, ohne dass sich fundamentale Daten geändert hätten. Allerdings waren die Aktien wegen der Kursverluste günstiger als noch vor einer Woche: Lag das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis – also der Preis einer Unternehmensaktie im Verhältnis zum Gewinn pro Aktie – Anfang vergangener Woche bei 18,5, so lag dieser Wert am Montagabend bei 17,2. Für viele Investoren war das offensichtlich ein Grund, zuzugreifen.

Eins scheint auf jeden Fall klar: Die Anleger müssen sich wieder auf mehr Volatilität einstellen. Seit mehr als einem Jahr kannten die Märkte fast nur noch eine Richtung: nach oben. Noch immer liegt der Dow Jones mehr als 30 Prozent über dem Stand von Anfang 2017. „Phasen von geringer Volatilität werden immer von Phasen mit hoher Volatilität abgelöst. „Überraschend ist, wie hoch die Volatilität auf einmal ist“, beobachtet Jeff Saut, Anlagestratege vom Investmenthaus Raymond James.

Saut rät dazu, Finanztitel zu kaufen, die er immer noch als günstig ansieht. Außerdem setzt er auf Technologie- und Industrietitel. Dagegen rät der Raymond-James-Stratege von defensiven Werten ab.

Auch Craig Callahan, Gründer von Icon Advisors, sieht den jüngsten Einbruch „eher als Unterbrechung des Bullenmarkts statt als Start eines Bärenmarkts“, sagte er dem Fernsehsender CNBC. Die nächsten Tage werden zeigen, ob das alle Investoren so sehen.

Auch die anderen Indizes schlossen am Dienstag positiv: Der Nasdaq legte um 2,13 Prozent auf knapp 7116 Punkte zu. Der S & P 500, der mehr Titel beinhaltet als der Dow Jones, kletterte um 1,74 Prozent auf 2695 Punkte.