Der Anlagenbauer Dürr legt dank guter Geschäfte in China ein Rekordergebnis vor. Nun investiert die Schwaben massiv ins digitale Geschäft.

Der Anlagenbauer Dürr legt dank guter Geschäfte in China ein Rekordergebnis vor. Nun investiert die Schwaben massiv ins digitale Geschäft.


Der  Lackieranlagenspezialist Dürr wächst dank des China-Engagements und der starken Tochter Homag weiter deutlich. Der Auftragseingang erreicht auf  vergleichbarer Basis plus zehn Prozent und liegt mit  3,87 Milliarden Euro auf einem neuen Rekordniveau. Auch der Umsatz übertraf mit 3,7 Milliarden Euro die Zielbandbreite (3,5 bis 3,6 Milliarden Euro).

Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 6,7 Prozent auf den Bestwert von 289 Millionen Euro. Und auch die Marge fällt mit 7,8 Prozent üppig aus. Unter dem Strich steht darum ein Rekordergebnis von 201 Millionen Euro. „2017 war ein sehr ordentliches Jahr“, sagt Dürr-Vorstandschef  Ralf Dieter. „Wir haben Wachstumschancen genutzt und uns bei teils schwierigen Marktbedingungen gut behauptet.“

Das Geld kann Dürr dringend brauchen. Der Anlagenbauer investiert massiv in seine digitale Zukunft. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhte Dürr um rund zehn Prozent auf 117 Millionen Euro. Der Löwenanteil fließt in den Aufbau der Plattform Adamos für das Internet of Things, die Dürr im September mit der Software AG und den Maschinenbauern DMG Mori, Carl Zeiss und ASM vorgestellt hat.


Mit der Engel Austria GmbH ist zuletzt ein weiterer Maschinenbauer mit 1,4 Milliarden Euro Umsatz  dem Joint Venture beigetreten. Mit Adamos, den digitalen Marktplätzen Loxeo und Tapio und weiteren Smart-Produkten sieht sich Vorstandschef Dieter gut digital aufgestellt. Mehrere Automobilhersteller nutzen intelligente Smart-Lösungen von Dürr, um Produktion und Instandhaltung zu optimieren.

Dürr will sich als digitaler Partner auch für kleinere Mittelständler etablieren, die nicht über die Ressourcen von Dürr verfügen. Die Bietigheimer haben sich laut Branchenbeobachtern schon recht gut positioniert. Ähnliche Versuche mit eigenen Plattformen gibt es auch beim Laserspezialisten Trumpf. Große Mittelständler wollen dieses für die Industrie 4.0 wichtige Feld nicht den Großkonzernen wie Bosch, SAP und Siemens überlassen.

Bei den Kernwerten ist Dürr sehr gesund: Die Rendite auf das gebundene Kapital (ROCE) erreichte mit fast 40 Prozent einen im internationalen Vergleich sehr hohen Wert. Die Eigenkapitalquote nahm von 24,8 auf 26,5 Prozent zu. Die Investitionen stiegen um 7,4 Prozent auf 88 Millionen Euro. Schwerpunkt dabei ist China. In Schanghai nahm Dürr einen neuen Campus-Standort für rund 1100 Mitarbeiter in Betrieb.

In China stiegen die Bestellungen nach dem verhaltenen Vorjahr um 28 Prozent auf knapp 800 Millionen. auch Fertigungsanlagen für Elektroautos spielten dabei eine Rolle. Die Chinesen fördern den Ausbau der Elektromobilität massiv. Deutsche Anlagenbauer und Autozulieferer profitieren davon massiv.


Rasant verläuft auch die Entwicklung der im Jahr 2014 erworbenen  Homag. Der Weltmarktführer für Holzbearbeitungsmaschinen erhöhte seinen Auftragseingang um 17,2 Prozent sich auf 1,3 Milliarden Euro. Vor allem automatisierten Anlagen die kundenindividuelle Möbel produzieren können, laufen gut. Die Übernahme des neuen Geschäftsfeldes entwickelt sic mit hohem Anteil an Wachstum und Profitabilität zu einer immer größeren Stütze des Maschinen und Anlagenbauers.

An der Börse gaben die Aktien des Unternehmens, das von der Familie des Ex-Bahnchefs Heinz Dürr als Hauptaktionär immer noch kontrolliert wird, um über fünf Prozent nach. Grund dürfte der etwas verhaltene Ausblick sein, da Dürr nur mit einem Wachstum auf maximal 3,9 Milliarden Euro rechnet. Allerdings ist das Unternehmen für konservative Prognosen bekannt, die in der Regel immer übertroffen werden.