Ankunft von UN-Hilfskonvoi für Ost-Ghuta wegen heftiger Kämpfe verschoben

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Hilfskonvoi am Rande von Ost-Ghuta

Ein Hilfskonvoi für die umkämpfte syrische Rebellenenklave Ost-Ghuta ist wegen der heftigen Kämpfe verschoben worden. Die Lage vor Ort sei zu unsicher, um die dringend benötigten Hilfen auszuliefern, erklärte das IKRK

Die Ankunft eines Hilfskonvois für die umkämpfte syrische Rebellenenklave Ost-Ghuta ist wegen der anhaltenden heftigen Kämpfe verschoben worden. Die Lage vor Ort sei zu unsicher, um die dringend benötigten Hilfen wie geplant am Donnerstag auszuliefern, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Nach einem mutmaßlichen Chlorgas-Angriff klagten dutzende Menschen über Atemnot, während die Zahl ziviler Opfer auf mehr als 900 stieg.

"Unter solchen Bedingungen ist es uns nicht möglich, den Einsatz auszuführen", sagte die IKRK-Sprecherin in Syrien, Ingy Sedky. Der Konvoi hätte nach UN-Angaben Hilfsgüter für rund 70.000 Menschen in die Stadt Duma in Ost-Ghuta bringen sollen. Am Montag hatte sich ein erster Hilfskonvoi vorzeitig zurückgezogen, nachdem er unter Beschuss geraten war.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte am Mittwoch an alle Konfliktparteien appelliert, den Hilfskonvoi zu ermöglichen. Nötig sei ein "sicherer und ungehinderter Zugang" für weitere Konvois, um wichtige Lieferungen für hunderttausende bedürftige Menschen zu ermöglichen, sagte Guterres. In Ost-Ghuta leben seit 2013 knapp 400.000 Menschen unter Belagerung.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist entschlossen, die Rebellenenklave vor den Toren der Hauptstadt zurückzuerobern. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben Assads Truppen seit Beginn einer Bodenoffensive vergangene Woche mehr als 50 Prozent der Gebiete eingenommen, die bisher von zumeist islamistischen Rebellen kontrolliert wurden.

Nach neuen Luftangriffen auf Ost-Ghuta klagten laut der Beobachtungsstelle dutzende Menschen über Atembeschwerden. Mindestens 60 Patienten seien am Mittwochabend in Krankenhäuser eingeliefert worden, meldete die oppositionsnahe Organisation. Demnach wurden die Ortschaften Sabka und Hammurije mit Raketen und Fassbomben attackiert.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Syrian American Medical Society (Sams) litten die Verletzten unter schwerer Atemnot und geröteten Augen, was auf Angriffe mit Chlorgas hindeutete. Die Regierungstruppen werden regelmäßig beschuldigt, Chlorgas gegen die Zivilbevölkerung in Ost-Ghuta und anderen umkämpften Regionen einzusetzen. Sie bestreiten die Verwendung von Giftgas.

Nachdem bei neuen Luftangriffen auf die Ortschaft Samalka am Donnerstag sieben Zivilisten getötet wurden, stieg die Zahl ziviler Opfer auf 905, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Darunter seien 188 Kinder gewesen. Die oppositionsnahe Organisation in Großbritannien bezieht ihr Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Demnach gibt es derzeit heftige Kämpfe am Rand von Duma sowie um die Ortschaften Hammurije und Dschisrin. Ziel der Regierungstruppen ist es laut der Beobachtungsstelle, Ost-Ghuta in der Mitte zu zerteilen, um die Gebiete unter Kontrolle der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam im Norden von den Gebieten von Fajlak al-Rahman im Süden zu trennen.

Ein syrischer Militärvertreter sagte, es sei ein neuer Fluchtkorridor für die Zivilbevölkerung eingerichtet worden. Assads Verbündeter Russland hat allen Einwohnern und Rebellen freien Abzug zugesichert. Bisher hat jedoch niemand davon Gebrauch gemacht. Eine von Russland verkündete tägliche mehrstündige Feuerpause wird schon seit Dienstag nicht mehr eingehalten.

Der UN-Sicherheitsrat beriet am Mittwoch drei Stunden hinter geschlossenen Türen über das Scheitern einer am 24. Februar beschlossenen Waffenruhe für Syrien. Ein Diplomat sagte, der UN-Syrienbeauftragte Staffan de Mistura habe vor dem Rat angeboten, sich gegenüber Russland für eine Vereinbarung zum Abzug der Rebellen aus Ost-Ghuta einzusetzen.