Anklage gegen weitere Klinikmitarbeiterin wegen Mordserie von Niels H. zugelassen

Wegen der Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels H. muss sich eine weitere Krankenhausmitarbeiterin vor Gericht verantworten. Das Oberlandesgericht im niedersächsischen Oldenburg gab nach eigenen Angaben vom Freitag einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft statt und ließ die vom Landgericht der Stadt zunächst abgelehnte Anklage wegen Totschlags durch Unterlassen gegen die Frau zu. Sie war zum Zeitpunkt einiger Taten stellvertretende Stationsleiterin.

Die Frau muss sich demnach künftig zusammen mit zwei 2005 ebenfalls am Klinikum Delmenhorst beschäftigten Ärzten und dem damaligen Leiter der Intensivstation in einem Prozess verantworten. Dort soll H. einen Großteil der ihm insgesamt zur Last gelegten etwa hundert Morde begangen haben. Anders als die Vorinstanz sahen die Richter am Oberlandesgericht nun auch bei ihr "hinreichenden Tatverdacht" für ein Verfahren.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, trotz Verdachtsmomenten nicht eingeschritten zu sein. Bei den Vorwürfen gegen sie geht es aber lediglich um eine vergleichsweise kleine Zahl von Taten zwischen Anfang Mai und Ende Juni 2005. Das war kurz vor der Entlassung und Festnahme H.s. Die ihm zur Last gelegte Mordserie begann nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler schon 2000 an einem Krankenhaus in Oldenburg.

Auch gegen Verantwortliche dieser Klinik wird ermittelt, es kam bislang aber nicht zu Anklagen. H. ist inzwischen wegen mehrerer Morde und Mordversuche rechtskräftig verurteilt und verbüßt eine lebenslange Gefängnisstrafe. Derzeit wird ein dritter Prozess gegen ihn vorbereitet, in dem es um weitere 97 Taten geht. Diese konnten ihm erst später durch aufwändige Ermittlungen einer Sonderkommission nachgewiesen werden.