Anklage gegen britische Vermittler von Ryanair-Piloten in Deutschland

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat gegen Verantwortliche von zwei britischen Unternehmen Anklage erhoben, weil sie Piloten an den irischen Billigflieger Ryanair vermittelten, die in Deutschland anfallenden Sozialversicherungsbeträge aber nicht abführten. Die nicht gezahlten Beiträge beliefen sich auf etwa sechs Millionen Euro, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Es geht demnach um den Zeitraum von Januar 2007 bis Juni 2016.

Die zwei in Großbritannien ansässigen Personaldienstleistungsfirmen vermittelten in dem Zeitraum insgesamt 277 Piloten an Ryanair. Die Fluggesellschaft setzte sie von deutschen Flughäfen aus ein. Die Piloten seien "weitgehend in den Geschäftsbetrieb integriert" gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft - den Verantwortlichen in den Vermittlungsfirmen dürfte also bewusst gewesen sein, dass die Tätigkeit der Piloten in Deutschland sozialversicherungspflichtig war.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen fünf Verantwortliche, wie sie weiter mitteilte. Das tat sie bereits im September, machte es jedoch erst jetzt öffentlich, da die Anklage zunächst übersetzt und zugestellt werden musste. Einem der Angeklagten werden demnach 738 Fälle zur Last gelegt, den anderen vier gemeinschaftlich 182 Fälle von Sozialversicherungsbetrug.

Ryanair hat einen schlechten Ruf als Arbeitgeber. Arbeitnehmervertreter werfen der irischen Airline vor, das Personal im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften deutlich schlechter zu bezahlen. Nach Streikandrohungen in der vergangenen Woche lenkte Ryanair ein und sagte zu, erstmals in der über 30-jährigen Unternehmensgeschichte Gewerkschaften anzuerkennen. In Deutschland streikte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit dennoch, weil Ryanair zwei von fünf Verhandlungspartnern abgelehnt habe.