Anklage gegen Apotheker wegen mutmaßlichen Betrugs mit Krebsmedikamenten erhoben

Die Staatsanwaltschaft Essen hat Anklage gegen einen Apotheker aus Bottrop erhoben, der bei der Herstellung von Krebsmedikamenten in 61.980 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben soll. Der 47-Jährige soll unter anderem Krebsmittel mit deutlich weniger Wirkstoff als ärztlich verordnet in den Verkehr gebracht haben, wie die Essener Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch mitteilte.

Auch soll der Apotheker Präparate unter Missachtung der vorgeschriebenen Hygieneregeln hergestellt haben. Die Staatsanwaltschaft geht zudem davon aus, dass er 50.345 Rezepte zu Unrecht abrechnete. Dadurch sei den gesetzlichen Krankenkassen ein Schaden von rund 56 Millionen Euro entstanden.

Der Apotheker soll die ihm zur Last gelegten Taten im Zeitraum von Januar 2012 bis zu seiner Festnahme am 29. November vergangenen Jahres begangen haben. Über die Zulassung der 820 Seiten umfassenden Anklageschrift gegen den 47-Jährigen muss nun das Essener Landgericht entscheiden.

Die Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, erklärte zu der Anklageerhebung, hinter den knapp 62.000 Fällen steckten "tausende Schwerstkranke, die die Hoffnung hatten, durch die individuelle Krebstherapie Heilung oder mehr Lebenszeit zu erhalten".

Brysch fügte hinzu, es gehe aber nicht allein um die Aufarbeitung in einem Strafrechtsprozess. Vielmehr sei Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gefordert, die gesetzlichen Regelungen zur Kontrolle der rund 200 Onkologie-Schwerpunktapotheken in Deutschland nun zu verschärfen.

"Notwendig ist eine engmaschige Überprüfung der individualisierten Medikamente durch Amtsapotheker", mahnte Brysch. Unter anderem müssten Stichprobenkontrollen viermal jährlich unangekündigt stattfinden. Bisher werde nur alle zwei bis vier Jahre nach vorheriger Ankündigung kontrolliert.