Anklage fordert in Prozess um tödlichen Messerangriff auf Therapeuten 13 Jahre Haft

Im Prozess um einen tödlichen Messerangriff auf einen Therapeuten in einem Beratungszentrum für Flüchtlinge in Saarbrücken hat die Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Haftstrafe gefordert. In ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Saarbrücken verlangte die Staatsanwaltschaft am Montag für den Angeklagten 13 Jahre Haft wegen Mordes, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Wegen psychischer Auffälligkeiten gehen die Ankläger demnach von einer verminderten Schuldfähigkeit des Manns aus und forderten daher keine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die Verteidigung plädierte auf Körperverletzung mit Todesfolge, weil dem 27-Jährigen kein Tötungsvorsatz nachzuweisen sei. Die Strafhöhe stellte die Verteidigung ins Ermessen des Gerichts. Die Vertreter der Nebenklage forderten lebenslang wegen Mordes. Das Urteil soll noch am Montagnachmittag gesprochen werden.

Zuvor hatte ein Gutachter vor Gericht ausgesagt. Eine Unterbringung des Angeklagten in der Psychiatrie kommt nach Ansicht des Sachverständigen nicht in Betracht, weil keine Dauerstörung vorliege, wie die Gerichtssprecherin sagte.

Der angeklagte Syrer soll Anfang Juni in einem psychosozialen Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seinen Berater erstochen haben. Der Psychologe, der mit traumatisierten Flüchtlingen arbeitete, verblutete. Der 27-Jährige gestand zum Prozessauftakt im Oktober den Tathergang.

Laut Anklage soll er in das Dienstzimmer des Therapeuten gegangen und diesen mit Handschlag begrüßt haben. Währenddessen soll der Angeklagte "unvermittelt und ohne Vorwarnung" auf den Therapeuten eingestochen haben. Der Angeklagte habe seinem Opfer "mit großer Wucht" zweimal ein Messer mit etwa 13 Zentimeter langer Klinge in den Körper gerammt. Es habe keinerlei Anzeichen für den Angriff gegeben.

Der 30-jährige, aus dem Irak stammende Therapeut, der seit 2016 in dem DRK-Zentrum in der Beratung von traumatisierten Flüchtlingen arbeitete, starb noch vor Ort. Der mutmaßliche Täter flüchtete zunächst, wobei er sich anschließend noch selbst verletzt haben soll. Polizeibeamte nahmen ihn in Tatortnähe fest. Der Angeklagte war bislang in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.