Anklage: Nach Dresdner Anschlägen hatte Verdächtiger weitere Ziele im Visier

Nach den Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden vor einem Jahr hat der mutmaßliche Täter nach Überzeugung der Ermittler weitere Anschläge begehen wollen. Der 30-jährige Nino K. habe dafür einen 4,6 Kilogramm schweren Spreng- und Brandsatz gebaut, der rund zweieinhalb Monate nach der Tat in seiner Wohnung gefunden worden sei, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag in Dresden mitteilte. Weitere Brandsätze wurden demnach in der Elbe gefunden.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte gegen den 30-jährigen Dresdner vor rund einer Woche Anklage erhoben. Ihm werden unter anderem versuchter Mord, das Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen, Sachsbeschädigung und versuchte besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Der Dresdner soll vor genau einem Jahr, am 26. September 2016, kurz vor den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der sächsischen Landeshauptstadt, drei selbstgebaute Rohrbomben vor der Fatih-Moschee per Zeitschaltuhr gezündet und zugleich mehrere Behälter mit brennbarer Flüssigkeit dort abgelegt haben.

Laut Anklage wusste K., dass sich der Imam, seine Frau sowie die damals sechs und zehn Jahre alten Söhne zu diesem Zeitpunkt im Gebäude aufhielten. Sie blieben alle unverletzt. Durch die Explosion wurden die Eingangstür nach innen gedrückt und die Fassade beschädigt. "Zu schwerwiegenderen Folgen kam es nur deshalb nicht, weil die Spreng- und Brandvorrichtung nicht wie geplant vollständig gezündet hat", erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

Wenig später explodierte am Internationalen Congress Centrum ein weiterer vom Beschuldigten gebauter Sprengsatz. Es blieb bei Sachschäden. Den Ermittlungen zufolge stellte K. im September vergangenen Jahres zudem zwei weitere Brandsätze her, die er aber nicht verwendete. Beide wurden später in der Elbe gefunden.

Der 30-Jährige war im vergangenen Dezember, rund zweieinhalb Monate nach den Sprengstoffanschlägen, festgenommen worden. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler dann die selbstgebaute Spreng- und Brandvorrichtung, die "zum jederzeitigen Abtransport und Einsatz bereit" gestanden habe.

Nach Ansicht der Anklagebehörde wollte K. damit Anschläge auf weitere Ziele verüben. Er sitzt in Untersuchungshaft. Das Dresdner Landgericht muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.