Ankerzentren: "Menschen werden isoliert"

Jana Weidhaase ist beim Bayerischen Flüchtlingsrat zuständig für Einzelfallberatungen und das Projekt " BLEIB in Bayern! " Zudem hat sie sich in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit der Debatte um die Erstunterbringung von Geflüchteten, um "Transitzentren" und "Ankerzentren" beschäftigt, sich eingemischt, öffentlich protestiert.

Euronews-Reporter Hans von der Brelie traf Jana Weidhaase in einem Münchner Vorortzug, auf dem Weg zu einer von ihr angemeldeten Anti-Abschiebe-Demonstration im Münchner Flughafen. "Das Problem ist, dass die Menschen isoliert werden", kritisiert Weidhaase gegenüber euronews das von der CSU entworfene und nun auch auf Bundesebene vereinbarte Unterbringungskonzept der Ankerzentren. "Dort haben die Menschen wenig Zugang zu (juristischer) Beratung, die Asylverfahren laufen viel zu schnell ab und deshalb können die Asylgründe nicht ausreichend vorgetragen werden."

Atmosphäre der Angst

Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisiert zudem die vermehrte Umstellung auf Sachleistungen (anstelle von "Taschengeld"), eine angeblich unzureichende medizinische Versorgung von Asylbewerbern, soziale Spannungen aufgrund der Unterbringung in großen Sammelunterkünften und die mit Abschiebungen verbundene Furcht. Viele abgelehnte Asylbewerber lebten in einer Atmosphäre der Angst, etliche litten mittlerweile an Depressionen oder seien selbstmordgefährdet, ist von Flüchtlingshelfern aber auch von Asylbewerbern selbst immer öfter zu hören.