Ankaras Bürgermeister legt Amt auf Druck von Erdogan nieder

Der bisherige Bürgermeister der türkischen Hauptstadt

Der langjährige Bürgermeister der türkischen Hauptstadt Ankara hat sein Amt auf Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan niedergelegt. Nach 23 Amtsjahren verlasse er den Posten "auf Anweisung unseres Präsidenten", sagte Melih Gökcek am Samstag in einer TV-Ansprache. "Ich beuge mich der Anordnung, nicht weil ich erfolglos gewesen wäre oder müde, sondern weil ich glaube, dass Erdogan das Land voranbringen kann."

Gökcek war bisher einer von drei Bürgermeistern, die Erdogans Aufforderung zur Amtsniederlegung nicht gefolgt waren. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten hatte er am Montag aber doch eingelenkt und seinen Amtsverzicht angekündigt. Erdogan hatte zuvor gedroht, seine islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) werde die unbeugsamen Bürgermeister bestrafen.

Der Präsident will seine Partei bis zu den Lokalwahlen im März 2019 neu aufstellen und verjüngen. Nur "erfolgreiche" Amtsinhaber dürften dabei erneut zur Wahl antreten, hatte Erdogan gesagt. Die Wahlen bilden den Auftakt für Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im November desselben Jahres.

Der 68-jährige Gökcek gehört der AKP an und galt als loyaler Gefolgsmann Erdogans. Er bekleidete den Bürgermeisterposten seit 1994. In der Vergangenheit war er gelegentlich mit skurrilen Äußerungen aufgefallen. Hinter einem Erdbeben vermutete er etwa einmal eine ausländische Verschwörung.