Ankara: Gülen-Bewegung benutzte Handy-Puzzlespiel als Tarnung für Kommunikation

Die mutmaßlichen Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei haben nach Angaben der Justizbehörden ein Handy-Puzzlespiel als Tarnung für verschlüsselte Kommunikation benutzt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete, werden Anhänger des im Exil lebenden türkischen Predigers Fethullah Gülen verdächtigt, die App "2048 Fun and Relaxing Puzzle Game" als Deckmantel verwendet zu haben. Dies hätten Ermittlungen zu den Strukturen der Gülen-Bewegung in der türkischen Marine zutage gebracht.

Zuvor waren bereits tausende mutmaßliche Gülen-Anhänger verdächtigt worden, den verschlüsselten Kurzmitteilungsdienst ByLock zur Planung des gescheiterten Militärputsches vom Juli 2016 benutzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Ankara teilte aber im vergangenen Dezember mit, dass 11.480 angebliche ByLock-Nutzer die App niemals benutzt haben. Demnach wurden diese Smartphone-Nutzer ohne ihr Wissen von einer anderen App auf die ByLock-Server weitergeleitet. Daraufhin wurden 1800 Staatsbedienstete wieder eingestellt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt die Gülen-Bewegung, die staatlichen Institutionen unterwandert zu haben und hinter dem Putschversuch zu stecken. Der islamische Geistliche bestreitet das. Unter dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand wurden mehr als 50.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger inhaftiert, zudem wurden 140.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert, darunter Lehrer, Richter und Polizisten.