Angst vor Altersarmut – nicht mit mir!

Stefanie Kühn
Finanzexpertin Yahoo Finanzen
Alter und Armut müssen nicht zwangsläufig zusammengehören. (Bild: Armin Weigel/dpa)

In der letzten Woche war es mal wieder soweit. Nachdem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine Studie veröffentlicht haben, konnten Sie überall in der Presse lesen, wie hoch die Risiken sind, später in die Altersarmut zu rutschen. In der Studie wurden die Alterseinkommen von 2015 bis 2036 simuliert, nachdem rund 30.000 Erwachsene detailliert befragt wurden. Als gefährdet gilt man, wenn man nach Steuern weniger als 958 Euro monatlich zur Verfügung hat. Ein Fazit lautete: Besonders hoch sei das Risiko für Alleinerziehende und Menschen aus dem Osten Deutschlands.

Ich möchte die Studie zum Anlass nehmen, um an Ihre Selbstverantwortung zu appellieren. Es ist ja nicht so, dass man eines Morgens aufwacht und sagt „Oh, Altersarmut, jetzt bin ich drin“. Im Gegenteil, eine Altersarmut hat eine Vorbereitungszeit von 30-50 Jahren – und da können Sie ansetzen.
Vorausschicken möchte ich, dass ich hier keinesfalls auf Fälle, die unverschuldet in Not geraten sind, abziele.

1)  Verlängern Sie Ihre Lebensarbeitszeit
Eigentlich ist es vermutlich jedem klar – wenn die Menschen immer älter werden, dann müssen wir auch immer länger arbeiten. Das ist auch gar nicht so dramatisch, wenn wir unsere Einstellung ändern. Das Arbeitsleben besteht zukünftig vielleicht aus zwei oder drei verschiedenen Arbeiten. Gerade wer in einem körperlich anstrengenden Job unterwegs ist, sollte sich rechtzeitig über Alternativen Gedanken machen. Übernehmen Sie die Verantwortung und planen Sie Ihr Berufsleben eigenverantwortlich.

Lesen Sie auch: Planen Sie Ihren Ruhestand sobald Sie 50 werden

2)  Bleiben Sie am Ball
Die Augen-zu-und-durch-Methode ist für die Rentenplanung schlecht. Lesen Sie aufmerksam ihren jährlichen Brief von der Deutschen Rentenversicherung. Hier finden Sie Ihre persönlichen Rentendaten samt einer Hochrechnung, wie hoch Ihre Rente sein wird, wenn Sie so weiter arbeiten, wie in den letzten Jahren. Prüfen Sie das, was Sie selbst sparen regelmäßig und kritisch. Checken Sie Ihre Ausgaben, finden Sie Sparpotentiale und stecken die Ersparnisse in eine gute Geldanlage. In meinen Blogs finden Sie zahlreiche Tipps, wie Sie sparen können, ohne, dass es zu sehr schmerzt.

Lesen Sie auch: So sichern Sie sich vernünftig gegen ein Unglück ab

3)  Lernen Sie dazu
Früher konnte man eine Lebensversicherung abschließen und hatte später im Ruhestand eine schöne zusätzliche Summe zur Verfügung. Die hohen Kosten bei der Kündigung führten zu einer gewissen Disziplin, die Versicherung nicht zu kündigen. Im Jahr 2017 ist die Lebens- oder Rentenversicherung kein adäquates Produkt mehr für die Altersvorsorge. Wenn Sie etwas erreichen möchten, sind Sie gezwungen, einen Mix aus Festgeld und Aktienfonds oder ETFs (Indexfonds) aufzubauen. Ab bestimmten Vermögenshöhen können Sie auch in eine vermietete Immobilie investieren. All diese Investments setzen aber ein gewisses Wissen voraus, damit Sie wirklich gute Anlagen finden. Es ist kein Hexenwerk, jedoch müssen Sie die Grundbegriffe kennen. Beginnen Sie mit kleinen Schritten: Abonnieren Sie ein verbraucherorientiertes Finanzmagazin – und lesen es. Besuchen Sie ein Seminar oder lesen ein Buch über Anlageformen.

Sie merken, worauf ich hinaus möchte – stellen Sie sich dem Thema Rente, indem Sie rechtzeitig und konsequent Ihren Ruhestand vorbereiten. Dann hat die Altersarmut bei Ihnen keine Chance.

Ihre Stefanie Kühn

Sehen Sie auch: Die steigende Zahl an Rentnern setzt Europa unter Druck