Die Angst vor niedriger Inflation


Die Geldpolitik von Janet Yellen kann man mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel vergleichen: sehr geduldig und zugleich doch zielstrebig und unbeirrt von Kritik oder Rückschlägen. Bei der Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Dienstag und Mittwoch blieben die Leitzinsen wie erwartet unverändert.

In der kurzen Stellungnahme nach der Sitzung fiel der Hinweis auf die niedrige Inflation recht deutlich aus: Sie sei im Laufe des Jahres sogar gefallen und werden sehr genau beobachtet. Nach der Sitzung gab es keine Pressekonferenz, so dass Fed-Chefin Yellen keine weitergehende, persönliche Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung abgegeben hat.
Man kann davon ausgehen, dass Yellen bis zum Ablauf ihrer vierjährigen Amtszeit Anfang kommenden Februars die Notenbank noch möglichst weit auf dem Weg zur Normalisierung bringen möchte. Daher ist es immer noch gut möglich, dass sie im Dezember die Zinsen weiter erhöht.


Zuletzt hat sich abgezeichnet, dass US-Präsident Donald Trump ihr keine zweite Amtszeit gönnt, sondern wahrscheinlich den langjährigen Fed-Gouverneur Jerome Powell als ihren Nachfolger vorschlägt. Powell dürfte Yellens vorsichtigen Kurs fortsetzen.
Der Leitzins liegt zurzeit in einer Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent und ist im laufenden Jahr bereits zweimal um jeweils einen Viertel Prozentpunkt erhöht worden. Die US-Wirtschaft läuft gut, im dritten Quartal erreichte das Wachstum drei Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Gegen zu schnelle Zinserhöhungen spricht aber vor allem die niedrige Inflation, die seit langem deutlich unterhalb des angestrebten Wertes von zwei Prozent pendelt. Aber der nächste Schritt im Dezember ist weiterhin möglich.