Angriffe auf Armeehauptquartier und französische Einrichtungen in Burkina Faso

Bewaffnete verüben Angriffe in Ouagadougou

In Burkina Faso haben bewaffnete Männer am Freitag die französische Botschaft, das französische Kulturinstitut und das Hauptquartier der Armee in der Hauptstadt Ouagadougou angegriffen. Aus Sicherheits- und Krankenhauskreisen in dem westafrikanischen Land hieß es am Abend, allein bei dem Angriff auf das Armeehauptquartier habe es mindestens 28 Tote und 85 Verletzte gegeben. Französische Staatsbürger kamen nach Angaben des Außenministeriums in Paris nicht ums Leben.

Zuvor hatte die Regierung in einer vorläufigen Mitteilung von 16 Toten gesprochen - neun Angreifer und sieben Mitglieder der Sicherheitskräfte. Aus dem Umfeld des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian verlautete am Nachmittag, die Lage an der Botschaft und dem Kulturinstitut in Ouagadougou sei "unter Kontrolle". Beim französischen Außenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Die Pariser Justiz vermutete einen terroristischen Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft eröffnete nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen "versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben". Mit den Untersuchungen wurden der französische Inlandsgeheimdienst DGSI und die Anti-Terror-Einheit der Polizei beauftragt.

Staatspräsident Emmanuel Macron werde fortlaufend über das Geschehen informiert, hieß es aus dem Elysée-Palast. Die französischen Staatsbürger in Ouagadougou wurden von der Botschaft gebeten, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Das Auswärtige Amt in Berlin forderte Reisende auf, "Bewegungen in Ouagadougou vorerst zu vermeiden, in sicheren Unterkünften zu bleiben", die örtlichen Medien zu verfolgen und Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten.

Augenzeugen hatten zuvor von fünf bewaffneten Männern berichtet, die im Zentrum der Stadt aus einem Auto gesprungen seien und das Feuer auf Passanten eröffnet hätten. Dann seien sie Richtung französische Botschaft gestürmt.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörte heftige Schusswechsel, ein Fahrzeug brannte. Polizei und Soldaten waren in der Gegend um die Botschaft im Einsatz.

Nach Angaben von Augenzeugen gab es beim Armeehauptquartier und in der Nähe des französischen Kulturinstituts Explosionen. Beide befinden sich etwa einen Kilometer von der französischen Botschaft entfernt.

Burkina Fasos Informationsminister Rémis Fulgance Dandjinou sagte, französische Soldaten seien "in Zusammenarbeit" mit den einheimischen Sicherheitskräften gegen die Angreifer vorgegangen. Er präzisierte nicht, ob es sich um Sicherheitspersonal der Botschaft oder um französisches Militär handelte, das am Flughafen von Ouagadougou stationiert ist.

In Burkina Faso hatten Islamisten in der Vergangenheit mehrfach Angriffe und Anschläge verübt. Im vergangenen August wurden 19 Menschen getötet, darunter mehrere Ausländer, als ein Restaurant in Ouagadougou angegriffen wurde. Anfang 2016 hatten Dschihadisten ein Hotel und das Café Capuccino angegriffen. Damals wurden 30 Menschen getötet, unter ihnen ebenfalls viele Ausländer. Zu der Tat bekannte sich die Gruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi).

Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht in der Sahelzone, hat dort 4000 Soldaten stationiert. Es unterstützt außerdem eine gemeinsame Militäreinheit der afrikanischen Länder Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad, die bis Mitte des Jahres mit rund 5000 Soldaten vollständig einsatzbereit sein soll.