Angriff auf Miles & More: Löst ihr Tool das berühmte Vielfliegerprogramm ab?

Das Gründer-Team von Ecomio will Geschäftsreisen grüner machen, indem Mitarbeiter dafür belohnt werden: Katharina Riederer (links), Mario Blatter und Sarah Benarey.  - Copyright: Eco.Mio
Das Gründer-Team von Ecomio will Geschäftsreisen grüner machen, indem Mitarbeiter dafür belohnt werden: Katharina Riederer (links), Mario Blatter und Sarah Benarey. - Copyright: Eco.Mio

In ihrem Job als Unternehmensberaterin reiste Katharina Riederer viel. Wie die meisten ihrer Kollegen bei Roland Berger buchte sie auf Langstreckenflügen einen Sitzplatz der Business-Class – dort konnte sie die Beine strecken und gleichzeitig ordentlich Meilen anhäufen.

„Solange ich mich im Rahmen der Reiserichtlinien befand, war mir bei diesen Trips ziemlich egal, was sie gekostet haben oder welcher CO2-Fußabdruck dahinter stand. Mir kam es immer auf meine Meilen an”, sagt die gebürtige Münchnerin rückblickend.

Algorithmus berechnet „grünere“ Alternativen

Das genau ist das Problem bei vielen Unternehmen: Wie sollen Mitarbeiter für klimaschonendes Reisen begeistert werden, wenn sie dabei auf ihren Vielflieger-Status verzichten oder kostenlosen Punkte-Upgrades adé sagen müssen? Wie motiviert man Angestellte, nachhaltigeres Reisen wertzuschätzen und sich gegen Konkurrenzangebote von Miles & More zu stemmen?

Die Idee der 29-Jährigen: Ecomio, eine Software, die sich in das bestehende Reisebuchungssystem eines Unternehmens integrieren lässt. Der Algorithmus berechnet grünere Alternativen und zeigt auf, wie viel CO2-Emissionen und welche Kosten durch die klimaschonende Reise gespart werden können.

„Bei Geschäftsreisen geht umweltfreundliches Reisen zu 90 Prozent mit einer Ersparnis einher”, sagt die Gründerin. Die Differenz können Firmen ihren Angestellten anschließend direkt ausbezahlen oder in ein eigenes Punkteprogramm umwandeln. Diese umweltfreundlichere Alternative zu existierenden Bonusprogrammen soll Firmen dabei helfen, ihre eigenen Klimaziele schneller zu erreichen.

Für die Realisierung ihrer Vision holte sich Riederer im November 2020 Sarah Benarey und ihren Studienkollegen Mario Blatter mit an Bord. Sie finanzierten ihre Arbeit mit 90.000 Euro an Fördermitteln von Riederer und Blatters Alma Mater, der ETH Zürich.

Auch Lea-Sophie Cramer hat investiert

Inzwischen zählt das Ecomio-Team zehn Leute und sammelte frisches Kapital über Business Angels ein. 650.000 Euro brachte die Finanzierungsrunde, angeführt vom österreichischen Top-Investor Hansi Hansmann. Außerdem beteiligten sich die Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer, der Co-Founder von Runtastic, Alfred Luger, der Business-Reiseexperte Patrick Diemer – der unter anderem vier Jahre lang das Miles & More-Programm leitete –, der Private Equity und Venture Capital-Experte Volker Rofalski, sowie die Gründerin der KI-Beratungsfirma Merantix, Nicole Büttner.

Der 38-jährige Gründer und Geschäftsführer Dr. Tillmann Lang will mit seiner Tech-Plattform Inyova die Welt nachhaltig verbessern.
Der 38-jährige Gründer und Geschäftsführer Dr. Tillmann Lang will mit seiner Tech-Plattform Inyova die Welt nachhaltig verbessern.

Konkurrenz gäbe es derzeit keine, sagt Riederer, die Software ist aber auch noch nicht live. Der Rollout von Ecomio ist angesetzt auf Anfang kommenden Jahres, die Zusammenarbeit mit Konzernen wie Deloitte sei dafür bereits im Gange. Die Kunden sind Groß- und Mittelständische Unternehmen, weil die Software Zugriff auf die Daten einer existierenden Buchungsplattform haben muss.

Bei den Zielkunden ist laut Gründerin die Herausforderung, sich mit dem Algorithmus auf die individuellen Anforderungen der Firma anzupassen und dabei die Datensicherheit zu gewährleisten. Wie Riederer erklärt: „Startups kommen deswegen als Kundschaft erst mal nicht in Frage, weil sie oft einfach über Kayak und Expedia Reisen buchen und ihre Travel-Expenses bestenfalls in irgendeinem Excel-Sheet notiert sind.” Sollten im nächsten Jahr also deutlich mehr Geschäftsreisende im Zug statt im Flugzeug sitzen, könnte es an mehr als nur dem 9-Euro Ticket liegen.

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