Angriff auf die fetten Katzen


Als die britische Premierministerin Theresa May vor einem Jahr eine Rede hielt, schrillten bei vielen Managern in Großbritannien die Alarmglocken. Denn die Politikerin prangerte mit scharfen Worten die Kluft zwischen den Gehältern für Manager und denen für ihre Mitarbeiter an. „Wenn Sie ein Manager sind, der ein Vermögen verdient, sich aber nicht um seine Mitarbeiter kümmert: Ich warne Sie! Das kann so nicht weitergehen“, hatte sie verkündet. „Großbritannien muss ein Land sein, das für jedermann funktioniert“.

Seit Jahren schon sorgen dicke Gehaltsschecks für Manager – die auf der Insel „fat cats“ genannt werden – in der Öffentlichkeit für Empörung.

Als Symbol für Exzesse bei der Entlohnung von Managern gilt Werbeboss Martin Sorrell. So viel wie der CEO des Werberiesen WPP trägt seit Jahren kein anderer Manager der 100 im britischen FTSE-Aktienindex notierten Unternehmer nach Hause. Für 2016 strich Sorrell rund 48 Millionen Pfund (52 Millionen Euro) ein. Ein durchschnittlicher Angestellter müsste nach Berechnungen der britischen Organisation High Pay Centre 1718 Jahre arbeiten, um auf diese Summe zu kommen.

Angesichts von Sorrells Gehaltsscheck dürften auch viele andere Manager vor Neid erblassen. Im Schnitt kamen die Chefs der FTSE100-Unternehmen in Großbritannien zuletzt auf 4,5 Millionen Pfund. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Rückgang um 17 Prozent. Viele Investoren hatten zuletzt Kritik an der Managementvergütung geübt, das hatte vereinzelt Wirkung gezeigt.


Aus den Reihen der britischen Regierung war von Maßnahmen gegen die „fetten Katzen“ zuletzt nichts mehr zu hören. Bis jetzt. Am Dienstag kündigte die Regierung Reformen an, die ab Juni 2018 gelten sollen. 

Demnach sollen die Unternehmen die Differenz zwischen der Vergütung des Firmenchefs und dem Gehalt eines durchschnittlichen Angestellten öffentlich machen. Unternehmen, bei denen mindestens 20 Prozent der Investoren gegen die Bezahlung des Managements stimmen, sollen in einer Art „Sündenregister“ benannt werden. Zudem sollen die Firmen angehalten werden, Arbeitnehmervertretern mehr Gehör zu verschaffen.

Wirtschaftsverbände stellten sich hinter die Reformen. Kritikern reichen diese aber nicht. „Das ist weit entfernt von dem, was Theresa May versprochen hatte“, sagte die Gewerkschaftsvertreterin Frances O‘Grady vom Dachverband TUC. Zum einen, weil man als Maßstab für die Managervergütung das Verhältnis zwischen dem Chef und dem am schlechtesten bezahlten Angestellten berücksichtigen müsse. Zum anderen, weil die Unternehmen nicht gezwungen würden, Arbeitnehmervertreter zu Rate zu ziehen, wie es etwa in Deutschland der Fall sei, wo Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sitzen. Die anfänglichen Versprechen der Premierministerin seien in dem Entwurf nicht mehr wiederzuerkennen, sagte O‘Grady, „damit wird lediglich das Thema abgehakt“. Von Seiten der oppositionellen Labour-Partei kam ebenfalls Kritik.

Und auch Professor Keith Grint von der Warwick Business School ist skeptisch: Durch die Maßnahmen zur Begrenzung der Managementvergütung werde sich „nicht viel ändern“, erklärt er.