Angriff auf die Deutsche Bahn: Russen-Milliardäre sollen Züge für Flixtrain bauen

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Es soll der Angriff auf die Deutsche Bahn werden: Mit neuen Zügen will die deutsche Firma Flixtrain im umkämpften europäischen Eisenbahn-Geschäft an Boden gut machen. Dazu will sich das Unternehmen nach Recherchen von Business Insider nun offenbar Hilfe holen: von der russischen Transmashholding (TMH).

Der Konzern ist weltweit die Nummer sechs unter den Zugherstellern. Im Jahr 2019 machte das Unternehmen 5,9 Milliarden Euro Umsatz, die Hälfte davon durch Wartungsverträge, die andere durch den Verkauf von Lokomotiven und Zügen. Insgesamt beschäftigt der Konzern mehr als 100.000 Mitarbeiter. Wie Business Insider erfuhr, soll die Europa-Tochter von TMH an Flixtrain mehr als 60 Züge mit jeweils vier bis zehn Waggons liefern. Ein Geschäft, mit dem Flixtrain europaweit expandieren will.

Noch sollen sich beide Parteien in Verhandlungen befinden, heißt es, ein Vertrag sei damit noch nicht zustande gekommen. Offiziell heißt es von Flixtrain ohnehin: "Kein Kommentar". Mit dem Flixtrain-Auftrag würde aber auch die TMH endlich den großen Einstieg in den europäischen, aber vor allem deutschen Markt schaffen. Der ist besonders attraktiv, da hierzulande vergleichsweise wenig reguliert wird. Und damit dürfte Deal am Ende wiederum auch dafür sorgen, dass zwei bereits jetzt reiche schillernde Oligarchen, die hinter TMH stecken, noch reicher werden: TMH-Präsident Andrej Bokarev und Miteigentümer Iskander Makhmudov.

TMH-Präsident Andrej Bokarev (Mitte), links der russische Verkehrsminister Yevgeny Ditrikh
TMH-Präsident Andrej Bokarev (Mitte), links der russische Verkehrsminister Yevgeny Ditrikh

Der 57-jährige Makhmudov, der in Usbekistan geboren wurde und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sein Geld mit Rohstoffhandel (vor allem Metall) machte, ist laut "Forbes" mit einem geschätztem Vermögen von 8,59 Milliarden US-Dollar der 321. reichste Menschen auf der Welt. In seinem Land gehört er zu den 25 vermögendsten Russen. 2009 setzten spanische Behörden ihn laut Medienberichten in Verbindungen mit Geldwäsche und der organisierten Kriminalität.

Im Schatten von Makhmudov wurde auch TMH-Präsident Bokarev zum Milliardär. Die Wege des 54-Jährigen und Makhmudovs kreuzten sich erstmals 1998. Bokarev wurde Geschäftspartner bei vielen Projekten Makhmudovs. Bokarev übernahm 2014 fast drei Viertel der ehemals staatlichen Anteile am russischen Waffenhersteller Kalaschnikow, das in den Geldwäscheskandal um die Danke Bank und Swedbank verwickelt war. Bokarev ist begeisteter Ski-Fahrer, steht auch der russischen Ski-Sport-Vereinigung vor. Skurril: Der Geschäftsmann sammelt Gold-Kunst, soll sogar im Besitz einer vollfunktionsfähigen Toilette aus purem Gold im Wert von 5 Millionen Euro sein.

Flixtrain gehört neben Flixbus zu der Marke Flixmobility. Das Verkehrsunternehmen wurde 2012 gegründet. Seit 2018 bietet die Firma aus Zugreisen unter der Marke Flixtrain an und versteht sich als Ergänzung zur Bahn. Flixbus bietet vor allem Fernreisen an und hat bereits 2019 angekündigt, nach Russland expandieren zu wollen.

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