Angriff auf ARD-Kamerateam bei Corona-Protest vor Reichstagsgebäude

Sie sollen einem Aufruf in sozialen Netzwerken gefolgt sein: Hunderte Menschen versammeln sich aus Protest gegen die Corona-Auflagen in Berlin. Dabei kommt es erneut zu einer Attacke auf Medienvertreter.

Die Ausrüstung eines Kamerateams liegt nach einem Übergriff am vergangenen Freitag, den 1. Mai, zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden. Am Mittwochabend ist es erneut in Berlin am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen zu einem Angriff auf Medienvertreter gekommen. Foto: Christoph Soeder / dpa

Bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen ist vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ein Kamerateam der ARD angegriffen worden. Ein Mann soll versucht haben, einen Tonassistenten zu treten, traf dabei aber offenbar die Mikrofon-Angel, die dann gegen den Kopf des Kameramannes schlug, wie die Polizei am Mittwochabend mitteilte. Der 46-jährige Tatverdächtige habe versucht zu flüchten, sei dann aber von Polizisten festgenommen worden.

Nach Angaben des ARD-Hauptstadtstudios hatte sich ein Teilnehmer der Versammlung spontan aus der Menge gelöst und einen Tonassistenten getreten. Die Polizei habe unmittelbar reagiert. Dem Kameramann und dem Tonassistenten - nach Angaben der Polizei 56 und 51 Jahre alt - gehe es gut. Bereits am 1. Mai war ein Kamerateam in Berlin angegriffen worden.

Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, twitterte: «Unserem Team geht es zum Glück gut, aber solche Angriffe gegen die #Presse sind widerlich! #ARD Team wurde angegriffen». Der Tatverdächtige sei in Polizeigewahrsam gebracht worden, es werde wegen Verdachts der Körperverletzung ermittelt, teilte die Polizei am späten Abend mit.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker schrieb am Abend auf Twitter: «Erst ein Kamerateam des ZDF, heute ein Team der ARD. Wer Journalisten angreift und an ihrer Arbeit hindert, greift die Demokratie an.»

Eine Demonstration, viele verschiedene Gruppierungen

Nach Angaben der Polizei hatten sich am Mittwoch bis zu 400 Menschen vor dem Reichstagsgebäude versammelt. Sie seien offenbar einem Aufruf in den sozialen Medien gefolgt, darauf deuteten etwa mitgebrachte Plakate hin. In Berlin sind wegen der Pandemie derzeit Demos mit bis zu 50 Teilnehmern erlaubt.

Polizisten hätten das Gespräch gesucht und auf die Abstandsregeln hingewiesen, schilderte eine Polizeisprecherin. «Einsatzkräfte forderten die Menschen mehrfach persönlich und über Lautsprecher auf, den Platz zu verlassen und lösten die Ansammlung letztlich auf», twitterte die Polizei. Nur vereinzelt seien Teilnehmer den mehrfachen Aufforderungen der Polizei zuvor nachgekommen.

Augenzeugen berichteten, dass ganz verschiedene Gruppierungen vor Ort waren. Viele Menschen seien aggressiv gewesen. Teilnehmer riefen «Wir sind das Volk». Manche hatten Deutschlandfahnen dabei, manche das Grundgesetz. Auf dem Plakat einer Demonstrantin war zu lesen: «Lasst dem Leben wieder seinen Lauf.» Die Polizei machte keine näheren Angaben zu den Teilnehmern.

Es sei unter anderem zu Beleidigungen, Widerstandshandlungen und Körperverletzung gegen Polizisten gekommen, sagte die Polizeisprecherin. Die Beamten setzten Platzverweise durch und nahmen die Personalien von 24 Menschen auf. Insgesamt waren demnach 260 Polizisten im Einsatz, gegen 19.00 Uhr war der Einsatz beendet.

Letzter Angriff auf Journalisten vor fünf Tagen

Am 1. Mai war in Berlin ein Team der ZDF-Satiresendung «heute-show» attackiert worden. Es drehte bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln am Rosa-Luxemburg-Platz. Danach wurde das Kamerateam von einer Gruppe vermummter Täter angegriffen. Sechs Menschen wurden dabei nach Angaben des ZDF verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Satiriker Abdelkarim hat den Überfall auf sein ZDF-Kamerateam nach eigener Aussage wie einen brutalen Kriegsfilm erlebt.

Vor der Volksbühne hatten zuletzt mehrfach Gegner der Eindämmungsverordnungen aus allen möglichen politischen Richtungen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, unter den Teilnehmern waren auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien. Auch diese Versammlungen waren nicht erlaubt. (dpa)